01Was Project Cargo von General Cargo unterscheidet
Project Cargo ist definiert durch Einzelkollo-Gewicht, Abmessungen oder Komplexität, die Standard-Transport unmöglich machen. Typische Merkmale:
- Heavy Lift: Einzelkollo > 50 t, spezialisierte Schiffe mit 350–3.000 t SWL-Kränen.
- OOG (Out-of-Gauge): Abmessungen sprengen Standardcontainer und erfordern Flatrack, Open-Top, Breakbulk oder Ro/Ro.
- Multimodale Turnkey-Lösung: Werkseitig bis Baustelle, inkl. Vor-/Nachlauf, Umschlag, Binnenschiff, LKW mit Selbstfahrer-Modulfahrzeugen (SPMT).
- Projektmanagement-Intensität: Eng verzahnt mit EPC-Terminen; kleine Abweichungen haben kaskadische Folgekosten.
Erfolgreiche Project-Cargo-Abwicklung ist weniger Tagesgeschäft als Projektmanagement mit Logistik-Kompetenz. Die Standardstruktur umfasst Scope, Plan, Execute, Close-Out, Lessons Learned – jeder Schritt mit Dokumenten-Deliverables und Stakeholder-Reviews.
02Planung und Route Survey
Das Rückgrat jedes Projektcargo-Auftrags ist die Route Survey. Sie prüft die Machbarkeit der gesamten Kette:
- Werksausgang, Abgangsbedingungen, verfügbare Krankapazitäten.
- Strassenroute zum Hafen/Binnenhafen: Brückenbelastungen, Überhöhe, Kurvenradien, Baustellen.
- Hafenumschlag: Kranverfügbarkeit, Schwerlastpier, Stellflächen, Zollabfertigung.
- Seeroute: geeignete Häfen, verfügbare Schiffstonnen, Saisonalität (Eisgang, Hurricane), Piraterie-Risiken.
- Zielland-Infrastruktur: oft der kritischste Punkt – viele Projekte scheitern an letzten 100 km.
Route Surveys beinhalten Vor-Ort-Begehungen, 3D-Scans, Drohnenaufnahmen, Brücken- und Strassenanalysen. Die Vorlaufzeit beträgt typischerweise 4–12 Wochen. Für wiederholte Sendungen amortisiert sich die Investition mehrfach.
03Transportmittel und -konzepte
Project Cargo nutzt spezialisierte Assets:
- Heavy-Lift-Frachter: Schiffe mit integrierten Hochseekranen (BigLift, COSCO HL, UHL, AAL, Sal). SWL je Kran 350–3.000 t, paarweise für Tandem-Hub.
- Breakbulk-Liner: Fest gesetzte Liniendienste für über-panamax-grosse Cargos; kostengünstig bei regelmässigen Sendungen.
- Ro/Ro: Rollbare Lasten (Kräne, Bagger, LKW, Generatoren) auf MAFI-Trailern oder Selbstläufern.
- Flatrack und Open-Top-Container: Für mittlere OOG (bis 40 t, Längen bis 12 m) in Kombination mit Linienverkehr.
- Binnenschiff: Entlang Rhein, Donau, Maas; oft der Brückenumgeher und Brücken-bei-Hochwasser-Unterquerer.
- SPMT (Selbstfahrender Modul-Transport): Für Landtransport von 50–1.500 Tonnen und Off-Road-Transporte.
Die Modalwahl hängt von Gewicht, Abmessungen, Hafenverfügbarkeit, Zeitbudget und Budget ab. Für spezielle Cargos lohnt oft ein Chartervertrag (voyage charter, time charter, COA), der die Reederei exklusiv einbindet.
04Ladungssicherung und Lashing
Bei Project Cargo ist die Ladungssicherung sicherheitskritisch. Zentrale Regeln:
- IMO CSS-Code: Internationaler Code für sichere Stauung und Sicherung. Kombiniert mit dem Ladungsmanual der Reederei.
- IMO Cargo Securing Manual: Schiffsspezifisch, regelt zugelassene Ladungssicherungseinrichtungen.
- DIN EN 12195 / VDI 2700: Für Strassentransporte Ladungssicherungs-Pflichten.
- Lashing-Berechnung: Wind-, Wellen- und Trägheitskräfte. Simulationsbasiert für Heavy Lift.
- Marine Surveyor: Unabhängige Aufsicht vor Seetransport – häufig Versicherungs-Condition-Precedent.
Dokumentation: Lashing-Plan, Fotoprotokoll vor Abfahrt, Surveyor-Zertifikat. Ohne diese Paperwork wird der Versicherer bei Schäden oft vom Haken gelassen.
05Genehmigungen und Behördenkoordination
Für Strassentransporte gelten je nach Land unterschiedliche Genehmigungsregime:
- DE: Erlaubnis nach § 29 StVO (Überbreite/-länge/-gewicht), Ausnahmegenehmigung nach § 46 StVO. Zuständig sind die Erlaubnisbehörden der Bundesländer. Typische Vorlaufzeit 4–8 Wochen, bei komplexen Transporten bis 12+ Wochen.
- CH: Ausnahmebewilligung (Astra). Abhängig von Kanton und Gewichtsklasse.
- AT: § 101 StVO. Behörden auf Bezirks- und Landesebene.
- EU-grenzüberschreitend: Pro Staat separat, abgestimmt via Forwarder-Netzwerk.
Häufige Stolpersteine: Brückenstatiken, Strassensperren, Polizei-Begleitung, Schaltung von Ampelanlagen, Rückbau von Strassenmobiliar. Wer die Behörden früh einbindet, vermeidet Show-Stopper.
06Versicherung, Haftung und Risikoallokation
Versicherungsseitig gelten für Project Cargo besondere Konditionen:
- Institute Cargo Clauses A (ICC A): "All-Risk"-Deckung, Standard für hochwertige Projektfrachten.
- DIC/DIL (Difference in Conditions / Limits): Zusatzdeckungen für Gaps in Unterversicherungen.
- Marine Surveyor: Oft obligatorisch als Condition Precedent.
- Heavy-Lift-Clauses: Zusätzliche Warranties (Hebe-Engineering, Schwerpunktsberechnung, Bilanzfreigabe).
- P&I-Deckung der Reederei: Schadensbegrenzung durch Hague-/Hague-Visby-/Rotterdam-Regeln.
Die Risikoallokation erfolgt über Incoterms und FCA/DAP/DAT-Ergänzungen. Projektfracht-Kontrakte sind komplex und sollten immer juristisch (Shipping-Anwalt) reviewt werden. Für Versender lohnt ein "Project Risk Register" mit Eintrittswahrscheinlichkeit, Impact, Mitigation, Owner.