Die EU will den Bahnverkehr technisch vereinheitlichen. Dafür gibt es ERTMS, das European Rail Traffic Management System. Vereinfacht gesagt ist es ein gemeinsames europäisches System für Zugsicherung und Verkehrssteuerung.
Das Problem: Der Ausbau kommt nur langsam voran. Laut einer neuen Studie der EU-Kommission vom 1. Oktober 2026 sind erst rund 10 Prozent des transeuropäischen Bahnnetzes damit ausgerüstet.
Für den restlichen Ausbau werden 75 bis 85 Milliarden Euro veranschlagt. Ein grosser Kostentreiber sind laut der Studie fragmentierte Ausschreibungspraktiken: nationale Sonderanforderungen und alte Class-B-Systeme, die parallel weiterlaufen, zwingen Anbieter zu kundenspezifischen statt standardisierten Lösungen, was auch zu Anbieterbindung (Vendor Lock-in) und höheren Preisen führt.
Für den Güterverkehr ist das mehr als ein Technikthema. Heute müssen Lokomotiven und Bahnbetreiber je nach Land oft unterschiedliche Systeme, Zulassungen und Ausrüstung berücksichtigen. Das macht grenzüberschreitende Bahnverkehre teuer und kompliziert.
Wenn ERTMS sauber und einheitlich ausgerollt wird, kann das langfristig helfen. Kurzfristig bedeutet der Ausbau aber Investitionen, Baustellen, Umrüstungen und teilweise zusätzliche Kosten. Die Kommission empfiehlt mehr Standardisierung, industrialisierte Prozesse, den Abbau alter Class-B-Systeme sowie schlankere Genehmigungsverfahren.
Gerade Operateure mit internationalen Verkehren sollten deshalb beobachten, wann welche Korridore umgestellt werden. Eine europäische Norm nützt nur, wenn sie nicht in 15 nationalen Varianten umgesetzt wird.
