KI macht den Coder überflüssig
Es ist eine Botschaft, die in der Logistiktechnologie-Branche nachhallt: WiseTech Global, der australische Hersteller des weit verbreiteten Speditionssystems CargoWise, wird rund 2'000 Stellen streichen. Das entspricht etwa 30 Prozent der weltweit rund 7'000 Beschäftigten in 40 Ländern. CEO Zubin Appoo formulierte es klar: «Künstliche Intelligenz wird das gesamte Unternehmen durchziehen, und traditionelle Ansätze zum Schreiben und Pflegen von Code werden zunehmend obsolet.»
Die Ankündigung erfolgte im Februar 2026 im Rahmen der Halbjahresergebnisse, die paradoxerweise besser als erwartet ausfielen. Die Aktie stieg trotz Stellenabbau um 11,1 Prozent. Investoren sehen in der KI-Transformation offenbar mehr Potenzial als Risiko.
E2open ist besonders betroffen
Besonders dramatisch ist die Lage bei E2open, der US-amerikanischen Cloud-Sparte von WiseTech Global. Dort könnten nach Medienberichten bis zu 50 Prozent der Stellen wegfallen. E2open bietet Supply-Chain-Management-Software für grosse Verlader und Industriekunden an und ist damit in einem Marktsegment aktiv, das von KI besonders stark transformiert wird.
Das Unternehmen befindet sich zudem in einem schwierigen Umfeld: Die WiseTech-Aktie ist noch immer rund 68 Prozent unter ihrem Höchstwert vom November 2024, nachdem Vorwürfe gegen Gründer Richard White einen Investorenexodus ausgelöst hatten.
Ein Trend, der die Branche erfasst
WiseTech steht nicht alleine. Bis Ende Februar 2026 haben Technologieunternehmen weltweit bereits rund 45'000 Stellen abgebaut, davon über 9'200 explizit KI-bedingt. Auch andere Logistik-Software-Anbieter positionieren sich neu. KI übernimmt nicht nur Programmieraufgaben, sondern beginnt auch Routenplanung, Zollklassifizierung, Dokumentenverarbeitung und Risikoanalyse zu automatisieren.
Für die Speditionsbranche hat das eine konkrete Konsequenz: Die Softwaresysteme, mit denen täglich Frachtsendungen verwaltet, verzollt und überwacht werden, verändern sich rasant. Wer heute CargoWise oder ähnliche Systeme einsetzt, darf sich auf deutlich mehr KI-Integration einstellen, einerseits mit Chancen, andererseits aber auch mit Schulungsaufwand und Anpassungsbedarf.
Was das für die Logistikbranche bedeutet
Die Transformation der Logistiksoftware durch KI ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern Gegenwart. WiseTech macht es sichtbar: Entwickler, die heute Standardcode schreiben, werden morgen von KI ersetzt. Was bleibt, sind spezialisierte Rollen wie Architekten, Integratoren, Domänenexperten. Und Nutzer, die verstehen, wie KI-gestützte Systeme zu bedienen und zu prüfen sind.
