UPS zieht die Reissleine im Amazon Geschäft
UPS setzt einen der markantesten strategischen Schritte der letzten Jahre um. Der US Logistikkonzern reduziert sein Transportvolumen mit Amazon bis Mitte 2026 um die Hälfte. Gleichzeitig werden rund 30000 Stellen abgebaut und mindestens 24 operative Standorte geschlossen.
Hintergrund ist eine klare Neuausrichtung im Netzwerkdesign und in der Margenstrategie. CEO Carol Tomé betont, dass Volumen alleine kein Ziel mehr ist. Entscheidend sei die Profitabilität pro Sendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Gerade im letzten Kilometer war das Amazon Geschäft für UPS kaum kostendeckend.
Amazon bleibt zwar einer der grössten Verlader weltweit, entwickelt sich aber zunehmend selbst zum integrierten Logistikdienstleister. Mit eigenen Zustellnetzwerken, Sortierzentren und Linehaul Kapazitäten hat Amazon seine Abhängigkeit von klassischen Paketdienstleistern deutlich reduziert. Für UPS entsteht damit eine strategische Schieflage. Ein Kunde wird gleichzeitig zum Wettbewerber im selben Marktsegment.
CFO Brian Dykes beziffert die Einsparungen durch den Rückzug aus dem Amazon Geschäft auf rund 3 Milliarden US Dollar im Jahr 2026. Zusätzlich sollen etwa 25 Millionen Arbeitsstunden eingespart werden. Diese Massnahmen betreffen sowohl die operative Abwicklung als auch administrative Funktionen im Netzwerk.
Parallel dazu erlebt der Kapitalmarkt eine Verschiebung. Im März 2026 überholt FedEx erstmals in der Geschichte UPS in der Marktkapitalisierung. Während UPS im Monatsvergleich rund 18 Prozent verliert, legt FedEx seit Jahresbeginn um etwa 22 Prozent zu. Investoren honorieren insbesondere die frühere strategische Fokussierung von FedEx auf margenstarke Segmente wie B2B Sendungen, Healthcare Logistik und internationale Luftfracht.
UPS folgt nun mit zeitlicher Verzögerung einem ähnlichen Kurs. Der Fokus liegt künftig auf vier klar definierten Wachstumsfeldern. Dazu zählen Healthcare Logistik mit hohen Anforderungen an Temperaturführung und Compliance, Automotive Logistik mit komplexen Just in Time Prozessen, spezialisierte Luftfracht sowie das Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen.
Diese Segmente zeichnen sich durch höhere Margen, stabilere Nachfrage und geringere Preissensibilität aus. Gleichzeitig erfordern sie jedoch spezialisierte Infrastruktur, hohe Servicequalität und eine präzise Steuerung der Transportketten.
Der Umbau stellt UPS vor eine operative Herausforderung. Die Reduktion von Volumen muss durch neue Kunden und neue Transportströme kompensiert werden. Entscheidend wird sein, wie schnell das Unternehmen seine Kapazitäten im Netzwerk neu auslasten kann.
Der US Expressmarkt bewegt sich damit in Richtung einer stärkeren Konsolidierung. UPS und FedEx bleiben die dominierenden Player, während Amazon seine Rolle als eigenständiger Logistikakteur weiter ausbaut.
