Ein Cyberangriff auf Ceva Logistics zeigt ziemlich deutlich, wie abhängig moderne Lieferketten inzwischen nicht nur von Transporten, sondern auch von Daten sind. Betroffen sind nach Angaben des Logistikkonzerns acht Lagerstandorte in Europa. Andere Systeme und Geschäftsbereiche von Ceva sollen nicht betroffen sein.
Ceva informierte betroffene Kunden am 1. August über den Vorfall. Bei einzelnen Auftraggebern kam es danach zu Verzögerungen bei Bestellungen, Retouren und Auslieferungen. Der niederländische Onlinehändler Bol musste zeitweise sogar Waren aus einem betroffenen Lager aus dem Onlineangebot nehmen und konnte dort keine neuen Waren annehmen.
Noch unangenehmer ist der mögliche beziehungsweise teilweise bestätigte Abfluss von Kundendaten. Betroffen sind Unternehmen aus völlig unterschiedlichen Branchen. Genannt werden unter anderem Bol, das Warenhaus De Bijenkorf, Ajax Amsterdam, die Bank ING, der Brillenhändler Ace & Tate sowie Valve, der Betreiber der Spieleplattform Steam.
Bei Valve ist inzwischen relativ klar, was passiert ist. Ceva übernimmt in Europa den Versand von Steam-Hardware. Nach Angaben von Valve konnten Angreifer unter anderem Namen, Lieferadressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen sowie Informationen zu bestellten Produkten einsehen beziehungsweise kopieren. Zahlungsdaten, Passwörter und Zugangsdaten zu Steam waren laut Valve nicht bei Ceva gespeichert und deshalb nicht betroffen.
Bei anderen Ceva-Kunden ist der Umfang noch nicht vollständig geklärt. Die niederländische Datenschutzbehörde hatte bis zum 10. August bereits Meldungen von zehn Organisationen im Zusammenhang mit dem Vorfall erhalten.
Der Fall ist für die Logistikbranche interessant, weil Ceva kein kleiner Spezialanbieter ist. Das Unternehmen gehört zur CMA CGM Group, erzielte 2025 einen Umsatz von 18,3 Milliarden US-Dollar und betreibt weltweit rund 1'100 Lagerstandorte.
