SBB Cargo baut den Einzelwagenladungsverkehr in der Schweiz deutlich um. Ab dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2026 soll ein neues Produktionsmodell gelten. Ziel der SBB ist es, die Auslastung zu erhöhen, Kosten zu senken und den Güterverkehr langfristig wirtschaftlicher zu machen.
Konkret werden rund 50 von heute etwa 280 Bedienpunkten im Einzelwagenladungsverkehr nicht mehr angefahren. Das sind knapp 18 Prozent des bisherigen Netzes. Die betroffenen Orte sollen aber nicht komplett von der Bahn abgeschnitten werden. Auf Kundenwunsch können sie weiterhin mit ganzen Zügen bedient werden. Für einzelne Wagenladungen fällt die regelmässige Bedienung jedoch weg.
Für rund 200 Mitarbeitende bringt der Umbau Veränderungen. Laut SBB betrifft dies etwa 130 Personen in der Deutschschweiz, 40 im Tessin und 30 in der Westschweiz. Meist geht es um Arbeitsortwechsel. Kündigungen sollen laut Unternehmen die Ausnahme bleiben. Betroffen sind unter anderem Lokpersonal in Brig, Buchs SG und Chiasso sowie Rangierpersonal an mehreren Standorten.
Der Hintergrund ist klar: Der Schienengüterverkehr steht finanziell stark unter Druck. Im Jahr 2025 erzielte der Güterverkehr der SBB einen Verlust von 126 Millionen Franken. Bereits 2024 war SBB Cargo Schweiz im Einzelwagenladungsverkehr defizitär. Der Bund unterstützt den EWLV deshalb befristet. Für die Jahre 2026 bis 2029 stehen 260 Millionen Franken zur Verfügung.
SBB Cargo spricht von einer Stärkung des Einzelwagenladungsverkehrs. Kritiker sehen das anders. SRF zitiert den Güterverkehrsexperten Richard Seebacher mit der Einschätzung, dass durch den Abbau von Bedienpunkten zwar kurzfristig Kosten sinken, gleichzeitig aber Kundenumsatz wegbrechen könne. Er sagt sinngemäss: Für die Kunden wird das Angebot verschlechtert.
Genau hier liegt der Knackpunkt. Der Einzelwagenladungsverkehr ist aufwendig. Einzelne Wagen werden bei Kunden abgeholt, gesammelt, sortiert, weitergeleitet und am Ziel wieder zugestellt. Das ist personalintensiv und teuer. Für viele Verlader ist es aber ein wichtiger Zugang zur Schiene, gerade wenn sie keinen ganzen Zug füllen können.
Wenn weniger Bedienpunkte direkt angefahren werden, kann das für einzelne Unternehmen bedeuten, dass Bahntransporte komplizierter oder weniger attraktiv werden. Mögliche Folgen sind mehr Vorlauf und Nachlauf per Lkw, längere Planungszeiten oder im schlimmsten Fall eine komplette Verlagerung auf die Strasse.
Für die Schweizer Verkehrspolitik ist das heikel. Einerseits soll mehr Güterverkehr auf die Schiene. Andererseits wird das flächendeckende Angebot im Einzelwagenladungsverkehr reduziert. Die SBB argumentiert, dass ohne Umbau das gesamte EWLV System langfristig gefährdet wäre. Kritiker warnen, dass genau dieser Umbau Kunden von der Schiene wegdrücken könnte.
Für Verlader und Spediteure ist jetzt wichtig, die eigenen Bahnrelationen früh zu prüfen. Wer heute einzelne Wagen über SBB Cargo laufen lässt, sollte klären, ob der eigene Bedienpunkt ab Dezember 2026 weiter bedient wird, ob sich Laufzeiten ändern und ob zusätzliche Lkw Strecken nötig werden.
