Bunkerpreise steigen stark und setzen Reedereien unter Kostendruck
Die internationale Schifffahrt steht erneut vor stark steigenden Treibstoffkosten. Auslöser ist die angespannte Sicherheitslage rund um die Strasse von Hormus. Seit Ende Februar hat sich die Situation im Persischen Golf deutlich verschärft. Die Folge sind massive Preisbewegungen im Markt für Schiffstreibstoffe.
Aktuelle Marktdaten zeigen einen deutlichen Preissprung. High Sulphur Fuel Oil, kurz HSFO, notiert derzeit bei rund 886 US Dollar pro Tonne. Das entspricht einem Anstieg von rund 36.5 Prozent im Vergleich zum Niveau vor Beginn der Krise.
Auch der schwefelarme Treibstoff VLSFO, der seit den internationalen Umweltvorgaben der IMO für die meisten Schiffe Standard ist, verteuert sich deutlich. Der Preis liegt aktuell bei etwa 929 US Dollar pro Tonne. Das entspricht einem Plus von rund 26.4 Prozent.
Parallel dazu hat sich der sogenannte Bunker Spread verändert. Dieser beschreibt die Preisdifferenz zwischen schwefelhaltigem und schwefelarmem Treibstoff. Während der Spread früher deutlich grösser war, ist er aktuell stark geschrumpft und liegt nur noch bei rund 43 US Dollar pro Tonne.
Die Entwicklung steht in direktem Zusammenhang mit der Situation rund um die Strasse von Hormus. Nachdem die Passage für Teile der internationalen Schifffahrt unsicher geworden ist, weichen viele Reedereien auf alternative Routen aus. Besonders häufig wird derzeit der Weg rund um das Kap der Guten Hoffnung genutzt.
Diese Umleitung verlängert eine typische Containerreise zwischen Asien und Europa um rund zehn bis vierzehn Tage. Mehr Seetage bedeuten einen deutlich höheren Treibstoffverbrauch. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Bunkertreibstoff in grossen Häfen ausserhalb der Krisenregion.
Mehrere wichtige Bunkerstandorte melden deshalb steigende Nachfrage. In Rotterdam, Singapur und Tanjung Pelepas berichten Marktteilnehmer von längeren Wartezeiten bei Treibstofflieferungen. Gleichzeitig kommt es im Nahen Osten teilweise zu Einschränkungen bei Raffinerien und Exportanlagen.
Für Reedereien bedeutet dies steigende Betriebskosten. Treibstoff ist einer der grössten Kostenblöcke im Seeverkehr. Je nach Schiffstyp und Route macht der Bunkeranteil zwischen dreissig und fünfundfünfzig Prozent der operativen Kosten aus.
Viele Carrier reagieren bereits mit Zuschlägen. Neue Buchungen enthalten häufig sogenannte Bunker Adjustment Factors oder kurzfristige Treibstoffzuschläge. Verlader spüren diese Entwicklung vor allem bei Spotraten.
Auch die globalen Frachtraten könnten in den kommenden Wochen weiter steigen. Marktbeobachter erwarten zusätzliche Preisdynamik, falls die Lage im Persischen Golf länger angespannt bleibt.
