Klaus-Michael Kühne ist in der Nacht auf Montag in Schindellegi verstorben. Der langjährige Logistikunternehmer wurde 89 Jahre alt. Er machte aus dem Familienbetrieb Kühne+Nagel einen der grössten Logistikkonzerne der Welt.
Für das Tagesgeschäft von Kühne+Nagel dürfte sein Tod zunächst wenig ändern. Kühne war Ehrenpräsident, aber nicht mehr operativer Chef. CEO Stefan Paul und Verwaltungsratspräsident Jörg Wolle führen das Unternehmen weiter. Kunden, Spediteure und Verlader müssen deshalb nicht mit einem plötzlichen Kurswechsel rechnen.
Wichtig ist trotzdem die Eigentümerseite. Ende 2025 hielt die Kühne Holding 55,4 Prozent an Kühne+Nagel. Weitere 4,7 Prozent lagen bereits bei der Kühne-Stiftung. Kühne hatte mehrfach erklärt, dass seine Holding-Anteile später ebenfalls an die Stiftung gehen sollen.
Das dürfte den Konzern langfrisitg eher stabilisieren. Ein schneller Verkauf des Aktienpakets ist nicht zu erwarten. Ganz ohne offene Fragen geht es aber nicht: Künftig entscheidet ein Stiftungsrat über ein riesiges Firmenvermögen. Wie transparent dieses Gremium handelt und wie stark es in Unternehmensentscheide eingreift, muss man genau beobachten.
Auch für Schindellegi gibt es eine finanzielle Seite. Genau genommen gehört Schindellegi zur Gemeinde Feusisberg. Mit Kühnes Tod können persönliche Einkommens- und Vermögenssteuern wegfallen oder deutlich sinken. Wie hoch dieser Betrag ist, lässt sich wegen des Steuergeheimnisses nicht seriös beziffern.
Die Firmensteuern von Kühne+Nagel und der Kühne Holding bleiben dagegen grundsätzlich bestehen. Auch die Kühne-Stiftung hat ihren Sitz weiterhin in Schindellegi. Von einem finanziellen Absturz der Gemeinde kann deshalb keine Rede sein. Feusisberg schloss die Rechnung 2025 zudem mit einem Überschuss von rund 14 Millionen Franken ab.
Trotzdem zeigt der Fall ein bekanntes Risiko: Wenn ein grosser Teil der Steuereinnahmen von wenigen sehr vermögenden Personen abhängt, kann ein einziger Todesfall oder Wegzug spürbar werden.
