In der Containerschifffahrt sorgt derzeit ein Gerücht für Gesprächsstoff: MSC soll Interesse an einer Beteiligung an Hapag-Lloyd haben.
Ausgelöst wurde die Diskussion durch einen Bericht des Manager Magazins. Darin hiess es, MSC-Gründer Gianluigi Aponte habe bei wichtigen Aktionären von Hapag-Lloyd angeklopft und langfristig möglicherweise sogar eine Mehrheit im Blick.
Bestätigt ist davon allerdings nichts.
MSC hat den Bericht gegenüber Reuters klar dementiert. Die Meldung sei nicht wahr. Auch Hapag-Lloyd bezeichnete das Thema gegenüber Branchenmedien als reine Spekulation und wollte sich nicht weiter dazu äussern.
Damit gilt vorerst: Es gibt kein bestätigtes Angebot, keine veröffentlichte Vereinbarung und keine offiziell bestätigten Beteiligungsgespräche.
Warum sorgt das Gerücht trotzdem für so viel Aufmerksamkeit?
MSC ist bereits die grösste Containerreederei der Welt. Hapag-Lloyd gehört ebenfalls zu den grossen internationalen Linienreedereien und ist stark in Hamburg verankert. Eine Beteiligung von MSC würde die Kräfteverhältnisse in der Branche deutlich verändern.
Ein Einstieg wäre zudem nicht einfach. Rund 30 Prozent von Hapag-Lloyd liegen bei der Kühne-Gruppe und weitere rund 30 Prozent bei der chilenischen CSAV. Auch die Stadt Hamburg und Staatsfonds aus Katar und Saudi-Arabien sind beteiligt. Ohne die Zustimmung grosser Aktionäre wäre ein bedeutender Einstieg kaum möglich.
Dazu kämen Fragen des Wettbewerbsrechts. MSC und Hapag-Lloyd sind direkte Konkurrenten. Hapag-Lloyd arbeitet ausserdem im Gemini-Netzwerk eng mit Maersk zusammen. Eine Beteiligung von MSC wäre deshalb nicht nur finanziell, sondern auch strategisch kompliziert.
Hapag-Lloyd verfolgt selbst eine grosse Übernahme. Das Unternehmen hat sich mit ZIM auf einen Zusammenschluss im Wert von mehr als vier Milliarden USD geeinigt. Die behördlichen Bewilligungen dafür stehen teilweise noch aus.
Aus Sicht eines Spediteurs ist deshalb Zurückhaltung angebracht. Solche Gerüchte können Aktienkurse bewegen und viel Aufmerksamkeit erzeugen. Für Buchungen, Fahrpläne und laufende Transporte ändert sich dadurch aber vorerst nichts.
