Swiss Supply ist Geschichte. Der Verein wurde per 30. April 2026 aufgelöst. Auf der Website des Verbands wird dies kurz und nüchtern mitgeteilt. Eine grosse Erklärung, wie es danach weitergeht, wird dort nicht geliefert.
Gegründet wurde Swiss Supply 2021 als Dachorganisation für Supply, Logistik und Transport. Die Idee war eigentlich sinnvoll. Die Schweizer Supply Chain Welt ist breit verteilt. Einkauf, Transport, Spedition, Lager, Standards, Ausbildung und Industrie hängen im Alltag eng zusammen. Trotzdem sind sie oft in verschiedenen Verbänden organisiert.
Genau hier wollte Swiss Supply offenbar eine gemeinsame Klammer bilden. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem ASFL SVBL, ASTAG, GS1 Switzerland, procure.ch und SPEDLOGSWISS. Also eigentlich jene Organisationen, die viele wichtige Teile der Branche bereits abdecken.
Warum der Verein nicht weitergeführt wurde, wird auf der offiziellen Website nicht ausführlich erklärt. Das Fachportal Logistik Online schrieb bereits im März 2026, dass der Vorstand die Auflösung beschlossen habe, weil die definierten Ziele in der aktuellen Form nicht erreicht werden konnten und kein nachhaltiger Mehrwert mehr gegeben sei.
Für die Branche ist das kein Erdbeben, aber ein Signal. Die Schweiz verliert damit keine grosse operative Organisation, aber eine mögliche Dachstimme. Gerade Themen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung, Datenstandards, Nachhaltigkeit, Zollprozesse und Versorgungssicherheit betreffen nicht nur einzelne Verkehrsträger oder Berufsgruppen. Sie betreffen die ganze Lieferkette.
Die Frage ist deshalb: Entsteht jetzt eine Lücke oder wird die Arbeit einfach wieder stärker von den bestehenden Verbänden getragen?
ASTAG bleibt die starke Stimme des Strassentransports und des Transportgewerbes. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund 3’700 Mitglieder und Partner sowie rund 30’000 Fahrzeuge. SPEDLOGSWISS ist die zentrale Organisation für international tätige Speditions und Logistikunternehmen. Der Verband setzt sich für geeignete Rahmenbedingungen in der Branche ein.
Dazu kommen GS1 Switzerland für Standards, Warenflüsse, Daten und Prozesse sowie procure.ch für Einkauf und Supply Management. GS1 Switzerland beschreibt seine Rolle als Unterstützung für optimierte Waren, Informations und Werteflüsse. procure.ch positioniert sich als nationaler Fachverband für Einkauf und Supply Management.
Wahrscheinlich wird es deshalb keine einfache Nachfolge geben. Eher werden die Themen wieder dort landen, wo sie fachlich am nächsten sind. Strassentransport bei ASTAG. Spedition und internationale Logistik bei SPEDLOGSWISS. Standards und Daten bei GS1 Switzerland. Einkauf und Beschaffung bei procure.ch. Ausbildung und Lagerlogistik bei ASFL SVBL.
Das kann funktionieren. Es kann aber auch bedeuten, dass die Supply Chain als Ganzes weniger sichtbar wird. Genau dort liegt die Chance für andere Verbände. Wer es schafft, über die eigene Branche hinaus zu sprechen, kann an Bedeutung gewinnen. Denn die grossen Fragen der nächsten Jahre sind nicht sauber in Verbandsschubladen getrennt.
Zollreformen, Passar, CO2 Vorgaben, Digitalisierung, Fachkräfte, Resilienz, E Commerce und geopolitische Risiken betreffen alle. Die Schweizer Wirtschaft braucht dafür keine komplizierte neue Dachstruktur um jeden Preis. Aber sie braucht Koordination, gemeinsame Positionen und verständliche Kommunikation nach aussen.
Swiss Supply ist aufgelöst. Die Supply Chain Themen bleiben.
