Deutschland will mehr Güter auf die Schiene bringen. Dafür braucht es aber neue Gleise, längere Überholspuren, moderne Stellwerke und leistungsfähige Bahnknoten.
Genau bei diesen Projekten fehlt nun teilweise die finanzielle Absicherung.
Aus einer Antwort der Bundesregierung geht hervor, dass mehr als 90 Bahnvorhaben in den kommenden Jahren ins Stocken geraten könnten. Einige Projekte befinden sich noch in einer frühen Planungsphase. Andere sind bereits deutlich weiter und haben teilweise schon Entwurfs- oder Genehmigungsplanungen durchlaufen.
Das Problem ist einfach erklärt: Ein Bahnprojekt wird nicht auf einmal finanziert. Nach jeder Planungsstufe braucht es eine neue Vereinbarung, damit die nächste Phase beginnen kann. Fehlt diese Zusage, können die Planer nicht einfach weiterarbeiten.
Das bedeutet nicht, dass ab morgen auf allen Baustellen die Maschinen stillstehen. Es besteht aber die Gefahr, dass Projekte zwischen zwei Planungsphasen hängen bleiben, Mitarbeiter und Planungsbüros anders eingesetzt werden und sich der spätere Baubeginn weiter verschiebt.
Unter den betroffenen Vorhaben befinden sich wichtige Knoten, Streckenausbauten und Anlagen für den kombinierten Verkehr. Genannt werden beispielsweise Projekte rund um Hamburg, Köln, Frankfurt und München sowie Ausbauten zwischen Karlsruhe und Basel, Hannover und Hamburg oder München und Rosenheim.
Für uns Spediteure ist das keine politische Nebensache. Wenn wichtige Strecken und Knoten nicht ausgebaut werden, bleiben Engpässe bestehen. Güterzüge müssen warten, Umleitungen fahren oder können wegen fehlender Kapazität gar nicht eingeplant werden.
Am Schluss betrifft das auch den Strassentransport. Wenn die Bahn nicht genügend Kapazität bietet, landet mehr Ware auf dem Lkw. Gleichzeitig wird immer wieder gefordert, Transporte auf die Schiene zu verlagern.
Die Bundesregierung muss deshalb im Haushalt 2027 entscheiden, welche Projekte weiterfinanziert werden. Branchenverbände fordern eine langfristige Lösung statt immer neuer Finanzierungsrunden von Jahr zu Jahr.
