Die Umstellung auf Passar 2.0 Einfuhr nimmt Fahrt auf, aber sie ist noch kein flächendeckender Schalter, der im Juni 2026 einfach umgelegt wird. Genau diese Unterscheidung ist für Importeure, Spediteure, Zollagenten, Softwareanbieter und IT Abteilungen entscheidend.
Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, BAZG, führt mit Passar 2.0 das neue digitale Warenverkehrssystem für die Einfuhr ein. Es soll e-dec Import ablösen und die Schweizer Importverzollung schrittweise in eine stärker digitalisierte Prozesslogik überführen. Offiziell stehen die ersten zwei Ausbauschritte von Passar 2.0 Einfuhr Standard ab dem zweiten Quartal 2026 für Piloteinsätze bereit. Gemeint sind unter anderem Domizilprozesse bei Zugelassenen Empfängern sowie einzelne Grenzübergänge.
In einer BAZG Präsentation zur Softwareentwicklung wird der Start von Piloten ab März 2026 als möglich bezeichnet. Als Pilot Grenzübergänge werden Basel Weil Autobahn und Chiasso Brogeda Merci genannt. Eine Skalierung wird ab Mai 2026 als möglich beschrieben, allerdings mit dem Zusatz «je nach Bedarf». Das ist wichtig: Skalierung bedeutet nicht automatisch, dass alle Unternehmen ab Juni 2026 vollständig produktiv umstellen müssen.
Die Praxis zeigt, weshalb diese Vorsicht nötig ist. Passar 2.0 Einfuhr ist nicht nur eine neue Maske für eine alte Zollanmeldung. Die Umstellung betrifft Stammdaten, Rollen, Berechtigungen, Finanzprozesse, Dokumentenbezug, Schnittstellen, Archivierung und interne Kontrollabläufe. Gerade Unternehmen mit ERP, TMS, DMS oder eigener Zollsoftware müssen früh prüfen, wo e-dec Import heute noch tief in den Prozessen steckt.
Ein zentraler Wechsel betrifft das heutige ZAZ-Konto. Das BAZG schreibt, dass die bisherigen ZAZ-Konten ab 2026 durch die Geschäftspartner-ID, GP-ID, ersetzt werden. Unternehmen müssen sich dafür im ePortal des Bundes als Geschäftspartner registrieren. Im Handelswarenverkehr ersetzt die GP-ID künftig die heutigen ZAZ-Konten.
Damit verändert sich auch die finanzielle Logik im Import. Die GP-ID wird nicht nur zur Identifikation, sondern auch zum Schlüssel für Rollen, Rechnungsbezug und Dokumentenberechtigungen. In den BAZG Unterlagen wird sichtbar, dass einzelne Beteiligte unterschiedliche Rechte auf Warenanmeldung, Veranlagungsverfügung, Finanz Zusammenzug und Rechnung erhalten. Representative, Customs Invoice Recipient, VAT Invoice Recipient und Importer sind dabei nicht gleichgestellt.
Für die Wirtschaft ist die grösste Unsicherheit derzeit der Zeitplan. Öffentlich sichtbare Informationen zeigen einerseits Pilote und erste Ausbauschritte ab 2026. Andererseits verweist die BAZG Roadmap weiter auf den Übergang von e-dec Import zu Passar im Zeitraum bis 2027. Auch Switzerland Global Enterprise schreibt in einem Seminarhinweis, die Roadmap des BAZG sehe die Ablösung von e-dec Import auf Passar 2.0 per 31. März 2027 vor, während bereits im zweiten Quartal 2026 der Parallelbetrieb starte.
Diese Einordnung passt zur Rückmeldung aus der Softwarepraxis. Wenn ein Softwareanbieter schreibt, dass wichtige Funktionen wie Richtigstellung nach Aktivierung, Zusammenzug, eVV Bezug oder vollständige Bordereau Nachfolge noch nicht in der benötigten Tiefe verfügbar sind, widerspricht das nicht zwingend dem BAZG. Es beschreibt vielmehr den Unterschied zwischen Pilot, technischer Verfügbarkeit, eingeschränkter Prozessnutzung und breiter produktiver Alltagstauglichkeit.
Für Unternehmen heisst das: Nicht abwarten, aber auch nicht in Panik geraten. Die Vorbereitung muss jetzt laufen. Die vollständige operative Umstellung dürfte jedoch schrittweise erfolgen und stark davon abhängen, wann BAZG, Softwareanbieter und einzelne Unternehmen den benötigten Funktionsumfang stabil nutzen können.
Besonders betroffen sind Unternehmen, die regelmässig in die Schweiz importieren und ihre Zollprozesse nicht vollständig an einen Dienstleister ausgelagert haben. Aber auch Verlader, die mit Spediteuren arbeiten, sollten das Thema nicht ignorieren. Wenn die GP-ID, Dokumentenrollen oder Rechnungsempfänger falsch eingerichtet sind, kann das später Auswirkungen auf Abgaben, Dokumentenbezug, Archivierung und interne Kontrollen haben.
Für Zollagenten und Spediteure wird Passar 2.0 Einfuhr ein Beratungs und Prozessprojekt. Es reicht nicht, eine neue Zollsoftware Version zu installieren. Kunden müssen verstehen, wer welche Rolle übernimmt, wer Dokumente erhält, wer Abgaben schuldet, wer Rechnungen beziehen darf und wie Belege revisionssicher archiviert werden.
Die saubere Schlagzeile lautet deshalb nicht: «Landesweiter Rollout ab Juni 2026». Besser ist: «Passar 2.0 Einfuhr startet 2026 in Pilot und Parallelbetrieb, die breite Ablösung von e-dec Import bleibt ein schrittweiser Übergang bis 2027.» Das ist weniger spektakulär, aber näher an der Realität.
