Die EU Länder haben im ersten Quartal 2026 deutlich weniger Waren in die USA exportiert. Laut Eurostat lagen die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten 30,4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Der Warenwert belief sich von Januar bis März 2026 auf 119,4 Milliarden Euro. Trotz dieses starken Rückgangs blieben die USA mit einem Anteil von 18,6 Prozent das wichtigste Exportziel der EU.
Für die Logistik ist das eine starke Zahl. Sie zeigt, wie schnell sich Handelsströme verändern können, wenn Zölle, politische Unsicherheit und Vorzieheffekte zusammenkommen. Eurostat weist darauf hin, dass der Handel zwischen der EU und den USA im ersten Quartal 2025 durch die Angst vor neuen Zöllen stark nach oben getrieben wurde. Danach folgte ein deutlicher Rückgang.
Auch der gesamte EU Aussenhandel schwächte sich ab. Die EU exportierte im ersten Quartal Waren im Wert von 640,5 Milliarden Euro in Nicht EU Länder. Das waren 8,8 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Die USA blieben trotzdem vor Grossbritannien, der Schweiz, China und der Türkei das wichtigste Exportziel. Grossbritannien kam auf 88,7 Milliarden Euro und einen Anteil von 13,8 Prozent.
Der Rückgang betrifft nicht nur die USA. Die EU exportierte auch weniger Waren in die Türkei und nach China. In die Türkei sanken die Ausfuhren um 8,2 Prozent, nach China um 7,9 Prozent. Damit zeigt sich ein breiterer Trend: Der internationale Warenhandel läuft für europäische Exporteure derzeit deutlich schwieriger.
Auch bei den Importen ging es nach unten. Die EU führte im ersten Quartal Waren im Wert von 627,8 Milliarden Euro ein. Das entspricht einem Minus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wichtigster Lieferant blieb China mit 145,3 Milliarden Euro und einem Anteil von 23,1 Prozent. Danach folgten die USA, Grossbritannien, die Schweiz und die Türkei.
Für Spediteure und Verlader ist die Entwicklung mehr als eine Statistik. Wenn Exporte in die USA stark zurückgehen, verändert das Mengen, Routen, Kapazitäten und Frachtraten. Betroffen sind vor allem Branchen mit grossem USA Geschäft, darunter Maschinenbau, Fahrzeuge, Chemie, Pharma, Konsumgüter und hochwertige Industrieprodukte. Der Rat der EU nennt Medizinprodukte und pharmazeutische Erzeugnisse, Strassenfahrzeuge sowie industrielle Maschinen als wichtige EU Exportgruppen in die USA.
Reuters hatte bereits im April darauf hingewiesen, dass US Zölle und der starke Vorjahreseffekt die EU Ausfuhren belasten. Im Februar 2026 seien die EU Exporte in die USA bereits um 26,4 Prozent gefallen, nach einem Rückgang von 27,8 Prozent im Januar. Gleichzeitig betonte Reuters, dass der Vergleich durch die aussergewöhnlich hohen Exporte Anfang 2025 verzerrt ist.
Die Botschaft für die Logistik ist klar: Handelskonflikte wirken nicht nur auf Zollabteilungen. Sie verändern reale Warenströme. Wenn Unternehmen Lieferungen vorziehen, pausieren oder neu verteilen, spüren das Reedereien, Airlines, Spediteure, Lagerhalter und Zollagenten direkt.
