Der Fahrer steht seit zwei Stunden vor der Rampe. Der Spediteur telefoniert hinterher, die Dispo verschiebt den nächsten Auftrag – und beim Verlader fühlt sich niemand wirklich zuständig.
Japan will genau das ändern. Seit dem 1. April 2026 gelten für grosse Verlader deutlich strengere Vorgaben. Unternehmen mit jährlich mindestens 90'000 Tonnen behandeltem Frachtgewicht können als sogenannte «besondere Verlader» eingestuft werden. Sie müssen einen mittelfristigen Verbesserungsplan erstellen und einen Verantwortlichen aus der Geschäftsleitung ernennen.
Dieser Logistikverantwortliche wird häufig als Chief Logistics Officer, kurz CLO, bezeichnet. Gemeint ist kein besserer Rampenchef. Die Person muss zur Führungsebene gehören und an wichtigen Unternehmensentscheiden beteiligt sein. Logistik soll damit nicht mehr irgendwo zwischen Einkauf, Lager und Versand hängen bleiben.
Im Plan müssen die Unternehmen zeigen, wie sie die Fahrzeugauslastung verbessern sowie Warte- und Abfertigungszeiten verkürzen wollen. Das betrifft ganz praktische Dinge: vernünftige Zeitfenster, ausreichend Rampenpersonal, verfügbare Stapler, Paletten, bessere Vorabdaten und eine Planung, die nicht alle Lkw gleichzeitig bestellt.
Besonders interessant ist die Messpflicht. Wartezeit und eigentliche Be- oder Entladezeit sollen grundsätzlich getrennt erfasst werden. Auch Arbeiten wie Kontrolle, Sortierung, Etikettierung oder Einlagerung zählen dazu, wenn der Fahrer sie ausführen muss. Es geht also nicht nur darum, wann das Fahrzeug auf den Hof fährt und wieder wegfährt.
Die erste jährliche Meldung ist bis Ende Juli 2027 vorgesehen. Der erste mittelfristige Plan muss im Einführungsjahr 2026 grundsätzlich bis Ende Oktober eingereicht werden.
Wenn die Massnahmen deutlich ungenügend bleiben, können die Behörden Empfehlungen abgeben. Werden diese ignoriert, sind eine öffentliche Bekanntmachung und später eine behördliche Anordnung möglich.
Ob Europa eine solche CLO-Pflicht übernimmt, ist offen. Der japanische Ansatz trifft aber einen wunden Punkt: Effizienter Transport beginnt nicht erst beim Lastwagen. Er beginnt bei Bestellung, Rampe, Zeitfenster und Datenqualität.
