Die Ablösung von e-dec Import nimmt Fahrt auf. Mit Passar 2.0 startet das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, BAZG, die nächste Etappe der digitalen Schweizer Zollabwicklung. Nach Transit und Export geht es nun um die Einfuhr. Für Spediteure, Zollagenten, Importeure und Softwareanbieter ist das ein wichtiger Schritt, aber noch kein flächendeckender Schalter, der einfach umgelegt wird.
Das BAZG schreibt, dass die ersten zwei Ausbauschritte von Passar 2.0 Einfuhr Standard ab dem zweiten Quartal 2026 für Piloteinsätze bereitstehen. Interessierte Unternehmen können sich für eine Teilnahme melden. Der Pilotbetrieb ist damit der Praxistest für die neue Importabwicklung unter realen Bedingungen.
Als erste Pilot Grenzübergänge werden Basel Weil Autobahn und Chiasso Brogeda Merci genannt. Dort sollen ausgewählte Firmen Einzelfahrten und entsprechende Warenanmeldungen über Passar 2.0 abwickeln. Wenn der Pilotbetrieb stabil läuft, kann eine Ausweitung auf weitere Grenzübergänge folgen. Genannt wurden unter anderem Au, Bardonnex, Basel St. Louis Autobahn, Boncourt Delle Autoroute, Stabio Confine und Thayngen.
Für die Branche ist wichtig: Passar 2.0 ist nicht einfach e-dec mit neuer Oberfläche. Die Umstellung betrifft Stammdaten, Rollen, Berechtigungen, Dokumentenbezug, Abgabenprozesse, Software Schnittstellen und interne Abläufe. Wer heute Importverzollungen über e-dec Import erledigt, muss prüfen, wo das System in ERP, TMS, DMS, Archivierung, Abrechnung und Kundenprozessen eingebaut ist.
Ein zentraler Punkt ist die neue Geschäftspartner ID, kurz GP-ID. Ab 2026 ersetzt sie im Handelswarenverkehr die bisherigen ZAZ Konten. Unternehmen müssen sich selbstständig im ePortal des Bundes als Geschäftspartner registrieren. Eine automatische Migration der ZAZ Konten auf die GP-ID ist laut BAZG nicht möglich. Für Firmen, die Veranlagungsverfügungen oder Rechnungen digital beziehen wollen, ist diese Vorbereitung besonders wichtig.
Die Roadmap Passar bleibt die gemeinsame Planungsgrundlage für BAZG und Wirtschaft. Sie zeigt die Ablösung der bestehenden Frachtanwendung e-dec und die weitere Digitalisierung der Zollverfahren. Passar 1.0 für Durchfuhr und Ausfuhr ist abgeschlossen. Passar 2.0 betrifft die Einfuhr. Passar 3.0 folgt später für überwachte Verfahren.
Für Importeure und Spediteure heisst das: Jetzt ist Vorbereitungszeit. Wer regelmässig Waren in die Schweiz importiert, sollte nicht warten, bis e-dec Import endgültig abgeschaltet wird. Sinnvoll ist eine frühe Prüfung der eigenen Software, der GP-ID Registrierung, der Zuständigkeiten im Unternehmen und der Abstimmung mit Zollagenten oder Verzollungspartnern.
Die grosse Änderung liegt weniger im einzelnen Formular, sondern im Prozess. Zollanmeldungen werden stärker digital, stärker rollenbasiert und stärker systemabhängig. Fehlerhafte Stammdaten oder unklare Rollen können künftig schneller zu Verzögerungen führen. Genau deshalb wird Passar 2.0 für viele Unternehmen auch ein IT und Organisationsprojekt, nicht nur ein Zollprojekt.
