Seefracht Dokumente & B/L
Bill of Lading, Akkreditiv, Zolldokumente, Vorlaufpapiere – der vollständige Leitfaden zu allen Dokumenten in der Seefracht.


Dokumenten-Kategorien
In der Seefracht gibt es fünf Hauptkategorien von Dokumenten. Jede hat eine spezifische Funktion – von der Eigentumsübertragung bis zur Zollabfertigung.
Transportdokumente
Belegen den Abschluss des Seefrachtvertrags und regeln die Eigentumsübertragung der Ware.
Handelsdokumente
Beschreiben die gehandelte Ware, deren Wert und Verpackung – Grundlage für Zoll und Versicherung.
Zahlungsdokumente
Sichern die Zahlung im internationalen Handel – besonders bei neuen Handelspartnern oder risikoreichen Märkten.
Zolldokumente
Pflichtdokumente für die Export- und Importverzollung in den jeweiligen Ländern und Handelsregionen.
Spezialdokumente
Warenspezifische oder länderspezifische Sonderdokumente – je nach Ware und Handelsabkommen erforderlich.
Bill of Lading (B/L) – Das wichtigste Dokument
Das Bill of Lading (B/L, Konnossement) ist das zentrale Dokument im Seetransport. Es ist gleichzeitig Frachtvertrag, Quittung und – in seiner begebbaren Form – ein handelbares Wertpapier.

B/L-Arten im Vergleich
Inhalt eines Bill of Lading
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Shipper | Verlader / Absender der Ware |
| Consignee | Empfänger oder "To Order" (bei begebbarem B/L) |
| Notify Party | Zu benachrichtigende Partei bei Ankunft des Schiffs (meist Empfänger oder Spediteur) |
| Port of Loading (POL) | Abgangshafen / Verladungshafen |
| Port of Discharge (POD) | Zielhafen / Entladehafen |
| Vessel & Voyage | Schiffsname und Voyage-Nummer des Trägers |
| Description of Goods | Warenbeschreibung, HS-Code, Gewicht, Volumen, Packstücke |
| Container Number | ISO-Container-Nummer (z.B. MSCU1234567) und Siegelplombennummer |
| Freight Terms | Prepaid (Absender zahlt) oder Collect (Empfänger zahlt) |
| Place & Date of Issue | Ausstellungsort und -datum des B/L |
| Number of Originals | Anzahl ausgestellter Originale (meist 3/3 oder 1/1) |
| On Board Notation | Bestätigung, dass die Ware an Bord des Schiffs verladen ist (wichtig für Akkreditive) |
House B/L vs. Master B/L
Beim Sammelcontainer (LCL) gibt es zwei Ebenen: Der Spediteur erstellt für jeden Verlader ein eigenes House B/L (H-B/L). Der Carrier hingegen stellt dem Spediteur ein Master B/L (M-B/L) aus, das den gesamten Container dokumentiert. Der Verlader kennt in der Regel nur sein H-B/L.
Letter of Credit (L/C) – Das Akkreditiv
Das Akkreditiv ist die sicherste Zahlungsform im internationalen Handel. Die Bank des Käufers garantiert die Zahlung, sobald der Verkäufer die im L/C geforderten Dokumente vorlegt – darunter immer ein Original-B/L.

Ablauf eines Akkreditivs
Kaufvertrag & L/C-Anforderung
Käufer und Verkäufer vereinbaren im Kaufvertrag die Zahlung per Akkreditiv. Der Käufer beauftragt seine Bank, ein L/C zu eröffnen und definiert genau, welche Dokumente der Verkäufer vorlegen muss.
L/C-Eröffnung & Avisierung
Die Eröffnungsbank (Bank des Käufers) stellt das Akkreditiv aus und übermittelt es über das SWIFT-Netz an die Avisierungsbank (Bank des Verkäufers). Die Avisierungsbank prüft das L/C und informiert den Verkäufer.
Verschiffung & Dokumentenvorlage
Der Verkäufer verschifft die Ware und stellt die im L/C geforderten Dokumente zusammen (Original B/L, Commercial Invoice, Packing List, Ursprungszeugnis etc.) und reicht diese innerhalb der L/C-Frist bei seiner Bank ein.
Dokumentenprüfung & Zahlung
Die Bank prüft die vorgelegten Dokumente auf L/C-Konformität. Bei konformer Vorlage zahlt die Bank an den Verkäufer und sendet die Dokumente an die Eröffnungsbank. Der Käufer erhält das Original-B/L gegen Zahlung und kann damit die Ware beim Carrier freigeben lassen.
Wann ist ein Akkreditiv sinnvoll?
Zolldokumente – Weltweit
Je nach Exportland, Importland und Warenart sind unterschiedliche Zolldokumente erforderlich. Die wichtigsten Pflichtdokumente für die grössten Handelsregionen.

| Region / Land | Pflichtdokumente |
|---|---|
| EU – Export | EX1 / DAU (ATLAS/AES)EUR.1 / REXT1 (Versandverfahren) |
| EU – Import | ENS (Entry Summary Declaration)Importzollanmeldung IM4T1 (falls nicht direkt verzollt) |
| USA – Import | AMS (Automated Manifest System)ISF / 10+2 (72h vor Verschiffung)CBP Entry (nach Ankunft) |
| USA – Export | EEI – Electronic Export Information (AES)SED (Shipper's Export Declaration) |
| China – Import | China Customs DeclarationCIQ Inspection CertificateGACC Registration (Lebensmittel) |
| Schweiz – Import | eVV (elektronische Verzollungsverfügung)ZAVV (ATLAS-CH)Präferenznachweis Form A / EUR.1 |
| Weltweit | VGM (SOLAS – alle Exportländer)Commercial InvoicePacking List |
VGM – Verified Gross Mass
Seit Juli 2016 (SOLAS-Amendment) ist die Angabe der verifizierten Bruttomasse (VGM) für jeden beladenen Container vor der Verladung Pflicht. Der Verlader muss das Gewicht durch eine zugelassene Wiegeeinrichtung ermitteln und dem Carrier übermitteln. Fehlende VGM = Verladeverbots.
T1 – Das EU-Transitdokument
Das T1 (Versandverfahren) ist ein EU-Zolldokument für Waren, die noch nicht im EU-Zollgebiet verzollt sind. Es wird benötigt, wenn importierte Ware aus einem Seehafen (z.B. Hamburg, Rotterdam) ins Inland oder in ein anderes EU-Land gelangt, ohne bereits verzollt zu sein. Das T1 sichert das Zollrisiko ab.
Vorlauf & Nachlauf Dokumente
Seefrachtsendungen benötigen neben dem B/L weitere Transportdokumente für den Vor- und Nachlauf per LKW, Bahn oder Binnenschiff.
CMR – Strassenfrachbrief
Internationales Begleitdokument für den LKW-Transport (Konvention über den Beförderungsvertrag im internationalen Strassengüterverkehr). Gilt für den Vorlauf zum Hafen und den Nachlauf vom Hafen zum Empfänger in allen CMR-Vertragsstaaten (Europa, Asien, Nordafrika).
CIM – Eisenbahnfrachtbrief
Frachtbrief für den internationalen Eisenbahntransport (Convention internationale concernant le transport des marchandises par chemin de fer). Relevant für Bahnvor- und -nachläufe sowie für den Schienen-Seeverkehr (z.B. Neuland-Routen über die Seidenstrasse).
Terminal Receipt / EIR
Das Equipment Interchange Receipt (EIR) ist der Empfangsbeleg des Terminals für die Annahme eines Containers. Es belegt den Zustand des Containers bei Übergabe und ist wichtig für Schadensreklamationen. Der LKW-Fahrer erhält das EIR beim Gate-In am Terminal.
Delivery Order (D/O)
Die Delivery Order ist die Freigabe des Carriers an das Terminal, den Container an einen bestimmten Empfänger auszugeben. Sie wird ausgestellt, nachdem der Empfänger das Original-B/L (oder den Telex Release-Nachweis) beim Carrier-Agenten vorgelegt und alle ausstehenden Gebühren bezahlt hat.
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