China eröffnet am 16. September 2026 den neuen Pinglu-Kanal. Die 134,2 Kilometer lange Wasserstrasse verbindet das Flusssystem des Xijiang mit dem Golf von Beibu und schafft damit einen kürzeren Weg von Westchina zum Meer.
Gebaut wurde seit August 2022. Die Investition beträgt rund 72,7 Milliarden Yuan. Je nach Wechselkurs sind das ungefähr 10,4 bis 10,8 Milliarden US-Dollar.
Der Kanal beginnt bei Hengzhou in der Nähe von Nanning und führt über Qinzhou zum Golf von Beibu. Er ist für Schiffe mit einer Tragfähigkeit von bis zu 5’000 Tonnen ausgelegt.
Für die Logistik ist vorallem die Verkürzung der Strecke wichtig. Waren aus Südwestchina mussten auf dem Wasser bisher einen Umweg in Richtung Guangzhou und Perlflussdelta nehmen. Über den Pinglu-Kanal soll sich der Weg zum Meer um rund 560 Kilometer verkürzen.
Davon können unter anderem Transporte aus Guangxi sowie aus den weiter im Landesinneren gelegenen Regionen rund um Chongqing, Chengdu und Guiyang profitieren. Am südlichen Ende des Kanals liegt mit Qinzhou ein wichtiger Teil des Hafenverbunds Beibu Gulf Port.
Von dort bestehen Seeverbindungen zu wichtigen Märkten in Südostasien. Dazu gehören unter anderem Vietnam, Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien und die Philippinen.
Die chinesischen Behörden erwarten durch den Kanal eine Senkung der Logistikkosten um 18 bis 30 Prozent. Jährlich sollen dadurch mehr als fünf Milliarden Yuan an Transportkosten eingespart werden.
Ob diese Werte in der Praxis wirklich erreicht werden, muss sich allerdings erst noch zeigen. Entscheidend sind neben der reinen Strecke auch Schleusenzeiten, Fahrpläne, Auslastung, Vor- und Nachläufe sowie der Umschlag im Hafen.
Der Kanal verfügt über drei grosse Schleusenanlagen bei Madao, Qishi und Qingnian. Sie überwinden zusammen einen Höhenunterschied von rund 65 Metern. Die geplante Transportkapazität liegt bei bis zu 89 Millionen Tonnen pro Jahr.
Zum Start setzt China auch einen preislichen Anreiz. Kommerzielle Schiffe sollen bis Ende 2026 keine Gebühren für die Schleusenpassage bezahlen. Ab Januar 2027 ist zunächst ein Tarif von einem Yuan pro registrierter Bruttotonne und Schleusendurchfahrt vorgesehen.
Für die Häfen im Perlflussdelta entsteht damit neue Konkurrenz. Ladung aus dem westlichen und südwestlichen China muss künftig nicht mehr zwingend über Guangzhou, Shenzhen oder Hongkong laufen.
Das heisst nicht, dass der Pinglu-Kanal diese grossen Containerhäfen plötzlich ersetzt. Er gibt Verladern und Spediteuren aber eine zusätzliche Route über Qinzhou und den Golf von Beibu. Besonders für Transporte nach Südostasien kann das interessant werden.