Der Fahrermangel ist für Europas Strassentransport längst mehr als ein Personalproblem. Laut der International Road Transport Union, kurz IRU, waren 2025 in Europa rund 502'000 Lkw-Fahrerstellen unbesetzt. Das entspricht etwa 13 Prozent des Fahrerbestands.
Die Folgen sind bereits im Tagesgeschäft angekommen. Zwei Drittel der befragten europäischen Transportunternehmen mussten nach eigenen Angaben neue Aufträge ablehnen, weil ihnen die Fahrer fehlten. Für Verlader heisst das: Ein verfügbarer Lastwagen bedeutet nicht automatisch, dass auch ein Fahrer dafür bereitsteht.
Die Situation dürfte schwierig bleiben. Das Durchschnittsalter der europäischen Fahrer liegt laut IRU bei 48 Jahren. Nur fünf Prozent sind höchstens 24 Jahre alt. Gleichzeitig dürfte ungefähr ein Fünftel der heutigen Fahrer innerhalb von fünf Jahren in Pension gehen.
Kontrollierte Arbeitsmigration kann einen Teil der Lücke schliessen. Sie ist aber keine schnelle Lösung nach dem Motto: Fahrer anwerben, Schlüssel übergeben und losfahren. Führerausweise aus Drittstaaten werden nicht überall gleich anerkannt. Dazu kommen Arbeitsbewilligungen, Sprachkenntnisse und die vorgeschriebene Berufsqualifikation. Der sogenannte Code 95 bestätigt in der EU, dass ein Fahrer die nötige Grundqualifikation und Weiterbildung besitzt.
Die EU testet deshalb geregelte Wege zwischen Ägypten und Rumänien sowie zwischen Marokko und Italien. Die Fahrer sollen vor der Einreise ausgewählt, fachlich und sprachlich geschult und anschliessend an Arbeitgeber vermittelt werden. Das Projekt läuft seit Juni 2026 und ist noch ein Pilot – also kein europaweit fertiges System.
Damit solche Programme funktionieren, braucht es faire Löhne, saubere Arbeitsverträge und gleiche Arbeitsbedingungen wie für Fahrer aus der EU. Ebenso wichtig sind Kontrollen gegen Lohndumping, überlange Arbeitszeiten und undurchsichtige Vermittlungsgebühren.
Arbeitsmigration kann den Fahrermangel also entschärfen. Sie ersetzt aber nicht bessere Arbeitsbedingungen, sichere Parkplätze sowie die Ausbildung von mehr jungen Leuten und Frauen in Europa.
