Wer regelmässig Luftfracht über London Heathrow abwickelt, kennt das Problem: Der Flughafen ist praktisch voll. Zusätzliche Flüge und neue Verbindungen lassen sich nur schwer einplanen.
Die britische Regierung hat deshalb am 18. Juni 2026 einen neuen politischen Rahmen für den Ausbau von Heathrow veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht eine dritte Start- und Landebahn im Nordwesten des Flughafens.
Für die Luftfracht ist das wichtig. Heathrow ist nicht nur ein grosser Passagierflughafen, sondern auch der mit Abstand wichtigste Luftfrachtstandort Grossbritanniens. Im Jahr 2024 wurden dort rund 1,6 Millionen Tonnen Cargo abgefertigt.
Das entspricht etwa 60 Prozent der gesamten Luftfracht an britischen Flughäfen. Viele Sendungen fliegen dabei nicht in reinen Frachtmaschinen, sondern im Frachtraum von Passagierflugzeugen.
Mehr Passagierflüge bedeuten deshalb meistens auch mehr Platz für Luftfracht. Der geplante Ausbau könnte bis zu 276’000 zusätzliche Flugbewegungen pro Jahr ermöglichen. Zusätzlich sind neue Frachtanlagen und Lagerflächen vorgesehen.
Heathrow selbst rechnet damit, die vorhandene Cargo-Kapazität um bis zu 50 Prozent erhöhen zu können. Das könnte vor allem für Pharma, Expresssendungen, Ersatzteile, Maschinen und andere zeitkritische Waren interessant werden.
Ganz kurzfristig löst der neue Entwurf aber noch kein Problem. Es handelt sich erst um den politischen und planerischen Rahmen. Die öffentliche Anhörung läuft bis September 2026. Eine endgültige Planungsentscheidung soll nach aktuellem Ziel erst 2029 fallen.
Danach müsste die dritte Piste noch gebaut werden. Bis tatsächlich zusätzliche Kapazität zur Verfügung steht, werden also noch einige Jahre vergehen.
Aus Sicht eines Spediteurs ist die Richtung trotzdem richtig. Heathrow braucht mehr Platz. Gleichzeitig müssen aber auch Strassenanbindung, Zollabfertigung, Lagerflächen und die Abfertigungsprozesse mitwachsen. Eine zusätzliche Piste allein bewegt noch keine Palette schneller durch den Flughafen.
