Der Rhein hat am wichtigen Pegel Kaub einen historischen Tiefpunkt erreicht. Am 31. Juli wurden morgens 25 Zentimeter gemessen. Genau dieser Wert war zuletzt am 22. Oktober 2018 registriert worden. Eine Woche zuvor hatte der Pegel noch bei 55 Zentimetern gelegen.
Das Ungewöhnliche ist nicht nur der tiefe Stand, sondern der Zeitpunkt. Extreme Niedrigwasserlagen treten am Mittelrhein normalerweise eher im Spätsommer oder Herbst auf. Ende Juli ist die Situation deshalb besonders kritisch: Es liegen noch mehrere warme Sommerwochen vor, in denen Trockenheit und hohe Verdunstung den Rhein weiter belasten können.
Die Schifffahrt ist weiterhin möglich. Von einem kompletten Stillstand kann deshalb noch nicht gesprochen werden. Wirtschaftlich wird der Transport aber immer schwieriger. Nach Angaben aus dem Markt können viele Schiffe nur noch mit rund 20 Prozent ihrer üblichen Ladung fahren. Bei einzelnen Schiffen bleiben für die Passage bei Kaub nur noch etwa 250 Tonnen Fracht übrig.
Für dieselbe Warenmenge werden dadurch mehrere Schiffe benötigt. Gleichzeitig steigen Kleinwasser- und Niedrigwasserzuschläge. Die Kosten für Tankertransporte von Rotterdam nach Karlsruhe lagen Ende Juli bei rund 150 bis 155 Euro pro Tonne. Ende Juni waren es noch etwa 45 Euro.
Auch Containerverkehre sind betroffen. Maersk verlangt bei einem Kaub-Pegel unter 31 Zentimetern beispielsweise Zuschläge von 1’335 Euro für einen 20-Fuss-Container und 1’560 Euro für einen 40-Fuss-Container. Unterhalb von 81 Zentimetern wird keine feste Ladegarantie mehr gegeben.
Die Auswirkungen reichen bis in die Schweiz. Kaub liegt auf der wichtigsten Rheinverbindung zwischen den Nordseehäfen und Basel. Bereits Mitte Juli meldeten die Schweizerischen Rheinhäfen, dass Schiffe nur noch 30 bis 40 Prozent der üblichen Ladung transportieren konnten. Mit dem weiteren Rückgang des Pegels hat sich die Situation nochmals verschärft.
