Die neuen EU-Zollregeln für Kleinsendungen zeigen erste deutliche Spuren im Luftfrachtmarkt. Laut WorldACD sank das verrechenbare Luftfrachtgewicht von Hongkong nach Europa in Woche 29, also vom 13. bis 19. Juli 2026, um weitere 5 Prozent gegenüber der Vorwoche. Es war bereits der fünfte Wochenrückgang in Folge.
Gegenüber der gleichen Woche des Vorjahres lag das Volumen 24 Prozent tiefer. Im Durchschnitt der Wochen 26 bis 29 betrug der Rückgang 18 Prozent. Auch die Luftfracht vom chinesischen Festland nach Europa gab nach. In Woche 29 lag sie 10 Prozent unter dem Vorjahreswert.
WorldACD bringt den Rückgang mit den neuen EU-Regeln in Verbindung. Seit dem 1. Juli wurde die bisherige Zollbefreiung für Sendungen bis 150 Euro aufgehoben. Für viele über IOSS abgewickelte E-Commerce-Sendungen und Postsendungen gilt übergangsweise ein Zoll von 3 Euro pro Warenposition. Gleichzeitig wurden die Anforderungen an die vereinfachte H7-Zollanmeldung angepasst.
Besonders betroffen ist Hongkong, weil dort ein grosser Anteil der Luftfracht aus kleinteiligen E-Commerce-Sendungen besteht. Insgesamt sank die Luftfracht von Asien-Pazifik nach Europa in den Wochen 28 und 29 jeweils um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Vietnam und Thailand meldeten Rückgänge.
Bei den Frachtraten ist ebenfalls Bewegung sichtbar. Die Spotrate von China nach Europa fiel in Woche 29 um 5 Prozent auf durchschnittlich 4,17 US-Dollar pro Kilogramm. Sie lag damit aber weiterhin 8 Prozent über dem Vorjahr. Die globale Durchschnittsrate aus Vertrags- und Spotpreisen betrug 3,00 US-Dollar pro Kilogramm und lag 23 Prozent über dem Vorjahreswert.
Der Vergleich mit den USA muss vorsichtig gelesen werden. China–USA lag zwar 19 Prozent und Hongkong–USA 8 Prozent über dem Vorjahr. Allerdings waren die Vergleichswerte im Sommer 2025 nach der damaligen US-Zolländerung besonders schwach. Eine direkte Verlagerung aller Sendungen von Europa in die USA lässt sich daraus nicht ableiten.
