Im polnischen Hafen Gdynia ist die zweite Ausbauphase des Baltic Container Terminal abgeschlossen. Insgesamt wurden in beide Projektphasen mehr als 84 Millionen US-Dollar investiert.
Zum Ausbau gehören zusätzliche Kaiabschnitte, neue Kranbahnen, stärker belastbare Terminalflächen und modernisierte Anlagen. Fertiggestellt wurden die Arbeiten bereits Ende Juni 2026.
Auch beim Umschlag wurde aufgerüstet. Das Terminal erhielt zwei neue Containerbrücken, zwei mobile Hafenkräne und acht gummibereifte Portalkräne. Damit kann BCT sowohl am Schiff als auch auf dem Terminalgelände mehr Container bewegen.
Ein Teil der neuen Kräne wurde über Polens nationalen Aufbau- und Resilienzplan mitfinanziert.
Dass die neue Infrastruktur funktioniert, wurde beim Erstanlauf der MSC Venice gleich praktisch getestet. Das Schiff ist 399 Meter lang und verfügt laut ICTSI über eine Kapazität von 18’500 TEU; für die Schiffe der London-Klasse werden andernorts 16’652 TEU als Maximum genannt. Es war damit das grösste und längste Containerschiff, das bisher in Gdynia abgefertigt wurde.
Damit kann der Hafen nun die grössten Containerschiffe aufnehmen, die regelmässig in der Ostsee verkehren.
Dafür war nicht nur der Ausbau des Terminals notwendig. Im Hafen wurden zusätzlich die Gewässer vertieft, der Helskie-Kai umgebaut und das Wendebecken Nummer 2 erweitert. Ein knapp 400 Meter langes Schiff muss schliesslich nicht nur an den Kai passen, sondern auch sicher in den Hafen hinein und wieder hinaus kommen.
Die erste Projektphase umfasste einen 400 Meter langen Kai mit einer Wassertiefe von 15,5 Metern. Dazu kamen 1’171 Meter Kranbahnen sowie neue Zufahrten, Leitungen und wasserbauliche Anlagen.
Gdynia wird damit als direkter Anlaufpunkt für Asienverkehre interessanter. Das Terminal wird bereits vom Britannia-Dienst von MSC angelaufen, der Asien mit Nordeuropa verbindet.
Für die deutschen Ostseehäfen ist das zumindest indirekt neue Konkurrenz. Lübeck, Rostock und Kiel sind zwar keine klassischen Deep-Sea-Containerhäfen wie Gdynia. Sie verdienen aber ebenfalls an Feederverkehr, Bahntransporten, RoRo-Verbindungen und Ladung aus dem Ostseeraum.
Wenn mehr Container direkt in Polen gelöscht werden, muss ein Teil dieser Ladung nicht mehr über andere Häfen und zusätzliche Feeder- oder Landverkehre laufen. Gdynia kann dadurch mehr Transporte aus Polen sowie aus Mittel- und Osteuropa an sich binden.
Auch Hamburg und Bremerhaven könnten den Ausbau spüren. Bisher wird viel Ladung für Polen zuerst in grossen Nordseehäfen gelöscht und anschliessend per Feeder, Bahn oder LKW weitertransportiert. Direkte Grossschiffsanläufe in Gdynia können solche Umwege teilweise ersetzen.
Das wird sicher nicht von heute auf morgen sämtliche Warenströme verändern. Aber Gdynia hat jetzt die technische Grundlage, bei grossen Reedereien deutlich ernster mitzureden.
