Wer in der Schweiz Zollanmeldungen erstellt, arbeitet täglich mit TARES. Vereinfacht gesagt ist TARES die elektronische „Preisliste und Bedienungsanleitung“ des Schweizer Zolls. Dort findet man nicht nur die Tarifnummer einer Ware, sondern auch Zollansätze, Mehrwertsteuer, Zusatzabgaben, Bewilligungspflichten und weitere Vorschriften.
Per 1. August 2026 hat das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG den Tarif erneut aktualisiert. Unter anderem wurden Zollansätze im Agrarbereich angepasst. Zudem wird das Salzregal neu als Bewilligungspflicht abgebildet. Beim Import bestimmter Rindfleischwaren aus Ländern, in denen hormonelle Leistungsförderer nicht verboten sind, gibt es ebenfalls eine Änderung: Eine sogenannte Verwendungsverpflichtung des Importeurs muss nun ausdrücklich in der Zollanmeldung angegeben werden.
Für den normalen Speditionsalltag ist aber fast wichtiger, wie häufig solche Anpassungen mittlerweile erfolgen. 2026 wurde TARES bisher jeden Monat aktualisiert. Eine Tarifnummer aus dem eigenen Kundenstamm kann also weiterhin richtig sein, während sich die dahinterliegenden Bewilligungen, Zusatzabgaben oder Hinweise geändert haben.
2028 wird deutlich wichtiger
Die monatlichen Änderungen sind allerdings Kleinarbeit verglichen mit dem, was auf 1. Januar 2028 kommt.
Dann tritt weltweit die nächste Ausgabe des Harmonisierten Systems, kurz HS, in Kraft. Das HS ist vereinfacht gesagt das internationale Grundgerüst der Zolltarifnummern. Die ersten sechs Stellen einer Schweizer achtstelligen Tarifnummer basieren darauf. Deshalb betrifft eine Änderung des HS am Ende auch den Schweizer Zolltarif.
Die Revision ist umfangreich: Die WZO spricht von 299 Änderungspaketen. Es entstehen sechs neue Positionen und 428 neue Unterpositionen, gleichzeitig werden fünf Positionen und 172 Unterpositionen gestrichen. Insgesamt umfasst HS 2028 danach 1'229 Positionen und 5'852 Unterpositionen.
Dabei geht es nicht einfach darum, einige Nummern umzubenennen. Ganze Warenbereiche werden neu strukturiert.
Ein Beispiel sind Impfstoffe. Humanimpfstoffe erhalten künftig die eigene Position 30.07, andere Impfstoffe die Position 30.08. Heute befinden sich diese Waren noch in anderen Strukturen der Position 30.02.
Ein weiteres Beispiel sind Nahrungsergänzungsmittel. Dafür entsteht mit 21.07 eine eigene Position. Gerade hier war die Abgrenzung zwischen Lebensmitteln, Lebensmittelzubereitungen und pharmazeutischen Produkten bisher teilweise schwierig.
Auch bei Kunststoffabfällen und verschiedenen Einweg-Kunststoffprodukten wird die Nomenklatur neu aufgebaut. Bei Kunststoffabfällen soll unter anderem besser erkennbar werden, welche Waren unter die Regeln des Basler Übereinkommens für grenzüberschreitende Abfalltransporte fallen.
Weitere Änderungen betreffen medizinische Notfallausrüstung wie Beatmungsgeräte, Schutzmaterial oder bestimmte Diagnosegeräte. Ziel ist, solche Waren im internationalen Handel eindeutiger identifizieren zu können.
Was bedeutet HS 2028 für die Schweiz?
Hier gibt es bereits einen konkreten Zeitplan.
Das BAZG bestätigt, dass die Schweiz die neuen HS-Regeln am 1. Januar 2028 in den Schweizer Zolltarif übernehmen wird. Die entsprechende Bundesratsverordnung soll voraussichtlich im Sommer 2027 veröffentlicht werden.
Das bedeutet: Die endgültigen Schweizer achtstelligen Tarifnummern sind heute noch nicht für sämtliche Waren bekannt. Denn die WZO gibt international die ersten sechs Stellen vor, die Schweiz muss daraus anschliessend ihren eigenen nationalen Zolltarif aufbauen.
Vorarbeiten sind trotzdem bereits möglich. Die WZO hat sogenannte Korrelationstabellen veröffentlicht. Diese zeigen, welche heutigen HS-2022-Nummern voraussichtlich welchen neuen HS-2028-Nummern entsprechen. Wichtig: Diese Tabellen sind eine Arbeitshilfe und keine rechtsverbindliche Tarifierungsentscheidung.
