Singapur will verhindern, dass der Stadtstaat als Umweg zur Zollumgehung genutzt wird. Premierminister Lawrence Wong erklärte am Sonntag, dass die Behörden bei glaubwürdigen Hinweisen auf solche Fälle ermitteln und Massnahmen ergreifen werden.
Hintergrund ist vor allem der Druck aus den USA. Washington befürchtet, dass beispielsweise chinesische Waren zunächst nach Südostasien geschickt und anschliessend von dort in die USA exportiert werden, um höhere US-Zölle zu umgehen. Wong stellte klar: Nur weil eine Ware über Singapur läuft, wird daraus noch keine Ware mit Ursprung Singapur.
Genau hier wird es für Spediteure interessant. Transshipment bedeutet zunächst nur, dass eine Sendung in Singapur umgeladen oder weitergeleitet wird. Der Ursprung der Ware verändert sich dadurch grundsätzlich nicht.
Singapore Customs macht das ebenfalls klar: Als Ursprungsland gilt grundsätzlich das Land, in dem die Ware vollständig hergestellt oder wesentlich verarbeitet wurde. Einfaches Umpacken, Etikettieren oder andere kleinere Arbeiten reichen nicht aus, um aus einer ausländischen Ware eine Ware mit Ursprung Singapur zu machen.
Ein zweites Thema sind Waren, die mit Zwangsarbeit – auf Englisch Forced Labor – hergestellt wurden. Die USA verlangen zunehmend Nachweise darüber, wie und wo Waren produziert wurden. Wong sagte, Singapur nehme auch dieses Thema ernst. Gleichzeitig machte er klar, dass ein Handelsplatz mit gewaltigen Re-Export- und Umschlagsmengen nicht jede einzelne Lieferkette vollständig zurückverfolgen könne.
Für die Praxis bedeutet das: Bei auffälligen Warenströmen könnte künftig genauer hingeschaut werden. Ein Container aus China wird nicht automatisch zu Singapur-Ursprung, nur weil er dort umgeladen, neu dokumentiert oder weiterverkauft wird.
