Syrien rückt wieder stärker auf die logistische Landkarte des östlichen Mittelmeerraums. Die syrische General Authority for Borders and Customs hat laut Reuters eine Vereinbarung mit der französischen Reederei und Logistikgruppe CMA CGM unterzeichnet. Ziel ist der Betrieb von zwei Dry Ports in den Freizonen von Adra bei Damaskus und Aleppo.
Die Vereinbarung ist mehr als eine gewöhnliche Hafenmeldung. Sie verbindet Seefracht, Inlandlogistik, Zollabwicklung, Bahnverkehr und den wirtschaftlichen Wiederaufbau eines Landes, dessen Infrastruktur über viele Jahre stark beschädigt und unterbrochen war. Dry Ports sind dabei zentrale Inlandterminals. Dort können Container und andere Güter abgefertigt, gelagert, verzollt und für den Weitertransport vorbereitet werden. Im Idealfall entlasten sie Seehäfen, verkürzen Wartezeiten und bringen Zollprozesse näher an Industrie und Handel.
Besonders wichtig ist der Standort Adra. Die Stadt liegt in der Nähe von Damaskus und ist als Industrie und Logistikstandort relevant. Aleppo wiederum war vor dem Krieg eines der wichtigsten Wirtschafts und Industriezentren Syriens. Wenn beide Standorte wieder stärker mit dem Hafen Latakia verbunden werden, könnte dies mittelfristig neue Warenflüsse innerhalb Syriens und über das Mittelmeer ermöglichen.
Parallel zur Dry Port Vereinbarung wurde eine Test Güterzugverbindung zwischen dem Hafen Latakia und Adra gestartet. Laut Reuters und regionalen Berichten war diese Verbindung wegen des syrischen Bürgerkriegs rund 14 Jahre lang unterbrochen. Der erste experimentelle Güterzug erreichte Adra am 19. Mai 2026.
Auch der Hafen Latakia spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. CMA CGM hatte 2025 bereits eine neue Vereinbarung mit Syrien über den Betrieb und die Modernisierung des Containerterminals in Latakia abgeschlossen. Reuters meldete damals eine Laufzeit von 30 Jahren und Investitionen von rund 230 Millionen Euro über die Vertragsdauer. Latakia gilt als wichtigster syrischer Seehafen und ist damit der natürliche Ausgangspunkt für eine stärkere Verbindung zwischen Hafen, Bahn und Inlandterminals.
Für CMA CGM ist Syrien kein komplett neuer Markt. Die Gruppe war bereits früher im Hafen Latakia tätig. Neu ist jedoch die mögliche stärkere Verknüpfung von Seehafen, Dry Ports und Bahnlogistik. Genau diese Kombination ist für internationale Lieferketten interessant, weil sie nicht nur den Hafenbetrieb betrifft, sondern die gesamte Bewegung der Ware vom Schiff bis ins Landesinnere.
Trotzdem bleibt Vorsicht angebracht. Die aktuelle Dry Port Meldung basiert primär auf Angaben syrischer Staatsmedien, die von Reuters und Fachmedien aufgegriffen wurden. CMA CGM hatte laut Reuters zunächst keine eigene Stellungnahme abgegeben. Auch konkrete operative Details, Starttermine, Kapazitäten, Investitionssummen für die Dry Ports oder genaue Zollprozesse wurden bisher nicht breit veröffentlicht.
Aus logistischer Sicht ist die Richtung aber klar. Syrien versucht, seine Verkehrsinfrastruktur wieder stärker an regionale und internationale Warenströme anzubinden. Die Kombination aus Latakia Hafen, Inlandterminals in Adra und Aleppo sowie einer reaktivierten Bahnverbindung kann zu einem wichtigen Baustein werden. Ob daraus schnell ein verlässlicher Korridor für internationale Verlader entsteht, hängt jedoch von Stabilität, Zollklarheit, Sanktionen, Versicherungslage, Zahlungsverkehr, Sicherheit und operativer Umsetzung ab.
