Taifun Dolphin hat die ohnehin angespannte Lage an den grossen Containerhäfen in Ostchina nochmals verschärft. Nach Angaben des Marktforschers Linerlytica waren zuletzt rund 2,4 Millionen TEU Containerschiff-Kapazität im Umfeld chinesischer Häfen im Rückstau gebunden. Besonders betroffen sind Shanghai und Ningbo-Zhoushan.
Der Taifun traf die chinesische Ostküste in Zhejiang und brachte starken Wind und extreme Niederschläge. In Ningbo wurden Hafenaktivitäten bereits ab dem 7. August schrittweise eingestellt. Auch die wichtigen Shanghai-Terminals Yangshan und Waigaoqiao schränkten die Containerannahme und -ausgabe vorübergehend ein. Inzwischen läuft der Betrieb wieder schrittweise an.
Das Problem ist damit aber nicht erledigt. Schiffe, die vor dem Sturm ausgelaufen oder auf See in Warteposition gegangen sind, kommen nun fast gleichzeitig zurück. Gleichzeitig müssen Containerberge in den Terminals abgearbeitet und die Fahrpläne der Reedereien neu sortiert werden.
An einzelnen Liegeplätzen des Tiefwasserhafens Yangshan werden inzwischen Wartezeiten von bis zu zwölf Tagengemeldet. Zusätzlich sind Termine für die Containeranlieferung teilweise nur eingeschränkt verfügbar.
Für Verlader in Europa wird die Störung deshalb wahrscheinlich erst zeitversetzt sichtbar. Ein Schiff, das mehrere Tage verspätet aus Shanghai oder Ningbo abfährt, erreicht Rotterdam, Hamburg oder andere europäische Häfen entsprechend später.
Dazu kommt ein weiterer Effekt: Verspätete Schiffe fehlen anschliessend auf ihrer nächsten Rotation. Reedereien können versuchen, Fahrpläne durch ausgelassene Hafenanläufe oder andere operative Anpassungen wieder einzufangen. Damit steigt auch das Risiko von Rolled Cargo – also Containern, die nicht wie geplant mitgenommen und auf eine spätere Abfahrt verschoben werden.
C.H. Robinson warnt zudem vor Engpässen bei Equipment, verzögertem Trucking, geänderten Cut-off-Zeiten und Problemen bei der Rückgabe und Abholung von Containern. Bis sich die Situation vollständig normalisiert, könnten mehrere Wochen vergehen.
