Die US-Regierung verlängert die temporäre Lockerung des sogenannten Jones Act um weitere 90 Tage. Damit können weiterhin ausländische Schiffe für bestimmte Transporte zwischen zwei US-Häfen eingesetzt werden. Die bisherige Ausnahme wäre am 16. August ausgelaufen.
Der Jones Act ist eine mehr als 100 Jahre alte US-Regel für den inneramerikanischen Seeverkehr. Vereinfacht gesagt müssen Waren zwischen zwei US-Häfen normalerweise mit Schiffen transportiert werden, die in den USA gebaut wurden, US-Eigentümern gehören und mit amerikanischen Besatzungen fahren.
Genau diese Regel wird wegen der angespannten Versorgungslage erneut gelockert. Hintergrund sind Störungen der weltweiten Ölversorgung durch den Krieg mit Iran sowie hohe Treibstoffpreise in den USA. Besonders im Fokus stehen Benzin, Diesel, Kerosin und andere für Wirtschaft und Versorgung wichtige Güter.
Allerdings wird die Verlängerung jetzt enger gefasst. Ausländische Reedereien erhalten keine allgemeine Freigabe für beliebige inneramerikanische Transporte. Jede Fahrt soll künftig einzeln geprüft werden. Dabei spielt unter anderem eine Rolle, ob ein geeignetes US-Schiff verfügbar ist und ob die Ausnahme aus Gründen der nationalen Versorgung oder Verteidigung notwendig ist.
Die Lockerung wird bereits rege genutzt. Nach US-Regierungsdaten wurden bis zum 3. August innerhalb von rund viereinhalb Monaten etwa 208 Ausnahmen erteilt. Das zeigt, dass es sich nicht nur um eine theoretische Notfallregel handelt.
Für die amerikanische Schifffahrtsindustrie bleibt das Thema politisch heikel. US-Reedereien, Werften und maritime Verbände sehen die Ausnahmen kritisch, weil ausländische Schiffe damit Zugang zu einem Markt erhalten, der normalerweise ausdrücklich für US-Schiffe reserviert ist. Energieunternehmen begrüssen dagegen die zusätzliche Transportkapazität.
