Eigentlich gibt es weltweit immer mehr Containerschiffe. Trotzdem fehlt im täglichen Geschäft Kapazität. Klingt zuerst etwas komisch, ist aber einfach erklärt.
Sea-Intelligence rechnet vor, dass derzeit rund 5 % der weltweiten Deep-Sea-Containerschiffskapazität durch Verspätungen gebunden sind. Das entspricht ungefähr 1,7 Millionen TEU.
Die Schiffe sind dabei nicht verschwunden und auch nicht leer. Sie sind einfach am falschen Ort zur falschen Zeit.
Ein Schiff wartet vor einem Hafen, liegt länger am Terminal oder kommt fünf Tage zu spät in Rotterdam, Hamburg oder Asien an. Dadurch startet auch die nächste Reise später. Und danach die nächste. Aus einem kleinen Stau wird so schnell eine Verspätung über den ganzen Fahrplan.
Früher waren solche Verzögerungen natürlich auch normal. Zwischen 2011 und 2019 waren im Durchschnitt rund 2,2 % der Kapazität dadurch gebunden. Heute sind es rund 5 %. Der tatsächliche zusätzliche Verlust gegenüber früher liegt damit bei ungefähr 1 Million TEU.
Zum Vergleich: Die gesamten 1,7 Millionen TEU entsprechen einer Reedereiflotte, die sogar grösser wäre als Evergreen.
Hamburg zeigt recht deutlich, wie das entstehen kann. Evergreen-Schiffe lagen dort im Juli teilweise 137 bis 187 Stunden am Liegeplatz. Das sind zwischen 5,7 und 7,8 Tage. Andere Reedereien kamen teilweise deutlich schneller wieder weg.
Ein Grund sind auch die immer grösseren Schiffe. Wenn ein Megamax-Schiff nicht 2'000 oder 3'000, sondern plötzlich 7'000 oder noch mehr Container für einen Hafen bringt, müssen Terminal, Kräne, Bahn, Barge und LKW diese Menge auch wegbringen können. Genau dort liegt warscheinlich immer öfter der Flaschenhals.
Für den Markt bedeutet das: Neue Schiffe alleine lösen das Kapazitätsproblem nicht. Wenn Häfen und Hinterland nicht mithalten können, steht die zusätzliche Kapazität einfach länger herum.
