Wer internationale Transporte disponiert, muss derzeit an mehreren Stellen gleichzeitig aufpassen. Die grössten Probleme liegen in Asien, im Nahen Osten, am Schwarzen Meer und in mehreren afrikanischen Häfen. Dazu kommen Streik-Nachwirkungen in Nordeuropa, Niedrigwasser und Engpässe im US-Inlandverkehr.
Die wichtigsten Störungsherde auf einen Blick:
- Suez und Rotes Meer: Erste Maersk- und Hapag-Lloyd-Dienste fahren wieder durch den Suez-Kanal. Viele Verbindungen bleiben aber auf der längeren Route um Afrika. Mögliche Verzögerung: Bei Fahrt um das Kap je nach Dienst etwa 7 bis 14 Tage zusätzlich.
- Golf von Aden und Somalia: Die Piraterie hat deutlich zugenommen. Schiffe wurden gekapert und Besatzungen festgehalten. Mögliche Verzögerung: Keine ehrliche Pauschale. Sicherheitsstopps und Routenwechsel können mehrere Tage kosten.
- Strasse von Hormus und Oberer Golf: Kriegslage, eingeschränkter Versicherungsschutz, Buchungssperren und Umleitungen über Landbrücken. Mögliche Verzögerung: Nicht zuverlässig planbar. Zwischenlagerung und neue Zielhäfen können nötig werden.
- Ostasien: Mehrere Taifune führten zu Hafenschliessungen, Schiffsstau und verpassten Liegefenstern. Mögliche Verzögerung: An wichtigen chinesischen Häfen wurden bis zu 10 Tage Wartezeit gemeldet. Der Rückstau kann noch Wochen wirken.
- Mundra, Nhava Sheva und Colombo: Hohe Terminalauslastung, Monsunregen und offene Umladungen. Mögliche Verzögerung: Mundra bis 24 Stunden, Nhava Sheva bis 48 Stunden, Colombo 48 bis 72 Stunden.
- Nordeuropa: Streiks sind beendet, doch Rückstände bleiben. Am Container Terminal Altenwerder in Hamburg laufen zusätzlich Bauarbeiten. Mögliche Verzögerung: Keine einheitliche Angabe. Verpasste Slots und Hafenwechsel können mehrere Tage kosten.
- Rhein: Niedrigwasser reduziert die Ladekapazität von Binnenschiffen. Mögliche Verzögerung: Keine feste Verzögerung. Zusätzliche Barge-Fahrten oder Umstellung auf Bahn und Lkw nötig.
- Panamakanal: Wegen zu wenig Regen wurden die täglichen Durchfahrten reduziert. Mögliche Verzögerung: Mit bestätigter Reservierung besser planbar. Ohne Slot drohen längere Wartezeiten.
- Schwarzes Meer: Angriffe auf Schiffe, Häfen und Exportanlagen rund um Odesa. Viele Reeder meiden die Region. Mögliche Verzögerung: Teilweise keine verlässliche Laufzeit. Transporte müssen über Donauhäfen, Rumänien oder die Bahn ausweichen.
- West- und Ostafrika: Hafenstau, Regen, fehlende Geräte und eine gesperrte Liegestelle in Monrovia. Mögliche Verzögerung: Conakry bis über 24 Tage, Monrovia über 10 Tage, Abidjan bis 8 Tage, Mombasa 3 bis über 6 Tage.
- USA und Kanada: Keine landesweite Hafenschliessung. Eng sind Lkw-Kapazitäten, Chassis und einzelne Bahnterminals. Mögliche Verzögerung: Erhöhte Standzeiten werden bis Anfang Oktober vor allem in Chicago, Atlanta, Fort Worth und Memphis erwartet.
Besonders unangenehm ist die Mischung aus mehreren Störungen. Ein Schiff verliert durch einen Taifun seinen Slot in Shanghai. Dadurch kommt es verspätet in Europa an und trifft dort auf einen vollen Terminalplatz. Der Container verpasst anschliessend den Bahnanschluss. Aus zwei Tagen Wetterproblem können so schnell ein oder zwei Wochen werden.
In China kommt Anfang Oktober zusätzlich die Golden Week. Während der Feiertage arbeiten Fabriken und Logistikbetriebe teilweise reduziert. Reedereien haben bereits einzelne Blank Sailings angekündigt. Das sind gestrichene Abfahrten. Verlader mit wichtiger Oktober-Ware sollten deshalb möglichst noch Abfahrten im September sichern.
Bei den USA liegt das Problem aktuell weniger vor der Hafeneinfahrt. Der Engpass sitzt eher dahinter. Rund um New York/New Jersey, Südkalifornien und Florida sind Lkw, Fahrer und Chassis knapper. Zoll- und Zolltarifänderungen beeinflussen ausserdem Kosten und Versandtermine. Sie blockieren aber nicht automatisch den Transport.
