Bei den grossen Containerreedereien kommt Bewegung in die Routenplanung durchs Rote Meer. Cosco hat laut The Loadstar wieder Buchungen für einen Fernost-Rotes-Meer-Dienst geöffnet. Die Schiffe sollen dabei auch den Bab al-Mandab zwischen Jemen und Dschibuti passieren.
Gleichzeitig bauen Maersk und Hapag-Lloyd ihre schrittweise Rückkehr über den Suezkanal aus. Der gemeinsame Gemini-Dienst AE19 bei Maersk beziehungsweise SE4 bei Hapag-Lloyd wird neu nicht mehr um das Kap der Guten Hoffnung geführt, sondern durch das Rote Meer und den Suezkanal. Die Änderung gilt seit dem 10. August und beginnt westgehend mit der Berlin Maersk.
Bereits im Juli hatten Maersk und Hapag-Lloyd mit AE15 beziehungsweise SE3 einen weiteren Asien-Europa-Dienst auf die Suezroute zurückgestellt. Auch CMA CGM nutzt laut Brancheninformationen bereits mehrere Verbindungen über diesen Korridor.
Das bedeutet aber noch keine komplette Rückkehr zum alten Normalzustand. Maersk erklärt ausdrücklich, dass derzeit keine generelle Umstellung des gesamten Ost-West-Netzes geplant ist. Die Reedereien beobachten die Sicherheitslage weiterhin und können bei einer Verschlechterung wieder auf die Route um Afrika ausweichen.
Gerade dieser Punkt ist wichtig. Praktisch gleichzeitig mit der Rückkehr weiterer Liniendienste kam es am 11. August zu einem tödlichen Angriff auf das Frachtschiff Tihamah im Bab al-Mandab. Vier Besatzungsmitglieder sowie zwei Rettungskräfte kamen nach Angaben der Behörden ums Leben.
Für den Containerverkehr könnte eine breitere Rückkehr nach Suez trotzdem erhebliche Folgen haben. Die Route über das Kap bindet Schiffe deutlich länger. Werden wieder mehr Dienste durch Suez geführt, steigt deshalb die effektiv verfügbare Schiffskapazität im Markt. Das könnte mittelfristig Druck auf Spotraten ausüben. Eine automatische oder sofortige Senkung der Frachtraten lässt sich daraus aber noch nicht ableiten – dafür spielen Hafenstaus, Nachfrage, Equipment und Sicherheitszuschläge ebenfalls eine Rolle.
