Auf dem Rhein wird es langsam richtig eng. Der Pegel Kaub, einer der entscheidenden Engpässe zwischen den Nordseehäfen und Basel, lag am 13. August zeitweise bei nur noch 11 cm. Die Prognosen zeigen weiterhin extrem niedrige Werte.
Für die Praxis heisst das: Die Schiffe schwimmen noch, können aber kaum noch Ladung mitnehmen.
Eine Containerbarge mit normalerweise rund 300 TEU Kapazität kann teilweise nur noch etwa 60 TEU laden. Das sind gerade einmal 20 Prozent. Grössere Bargen mit rund 400 TEU können den kritischen Abschnitt laut Marktberichten teilweise überhaupt nicht mehr passieren.
Damit funktioniert die normale Rechnung der Binnenschifffahrt nicht mehr. Besatzung, Schiff, Treibstoff und Fahrt kosten praktisch gleich viel – egal ob 300 oder 60 Container an Bord stehen. Die Kosten müssen deshalb auf viel weniger Ladung verteilt werden.
Die Folge sind massive Niedrigwasserzuschläge. MSC verlangt laut The Loadstar für den Kaub-Abschnitt inzwischen 1’350 Euro pro TEU. Hapag-Lloyd verlangt bei Kaub unter 40 cm beispielsweise 1’075 Euro für einen 20-Fuss-Container und 1’280 Euro für einen 40-Fuss-Container. Maersk hat ebenfalls eine stark steigende Staffel eingeführt.
Für die Schweiz ist Kaub besonders wichtig. Dass der Pegel Basel-Rheinhalle aktuell deutlich höher liegt, hilft einem Container aus Rotterdam oder Antwerpen wenig: Er muss auf dem Weg nach Basel trotzdem durch den Mittelrhein und damit durch Kaub.
Von einer offiziellen kompletten Sperrung des Rheins kann derzeit noch nicht gesprochen werden. Praktisch nähert sich die kommerzielle Schifffahrt bei Kaub aber ihrer Grenze. Der deutsche Binnenschifffahrtsverband warnt, dass bei weiter sinkenden beziehungsweise einstelligen Pegelständen ein wirtschaftlicher Gütertransport dort kaum mehr möglich ist.
Und genau dann beginnt das nächste Problem: Die Container verschwinden nicht. Sie wechseln auf Bahn und LKW. Dort ist die freie Kapazität ebenfalls begrenzt. Damit drohen Rückstaus, fehlende Slots und nochmals höhere Preise. Reuters berichtet bereits von Unternehmen, die Transporte auf Strasse und Schiene verlagern und von zunehmenden Kapazitätsproblemen betroffen sind.
