e-Zoll via BMF/FinanzOnlineEMCS für VerbrauchsteuerwarenT1/T2 Transitland DACH/Balkan
Österreich ist EU-Mitglied und verwendet das e-Zoll-System des BMF für alle Zollanmeldungen. Besonderheiten: EMCS für Verbrauchsteuerwaren (Alkohol, Tabak, Energie), das VIP+-Steuersystem und Österreichs Rolle als wichtiges Transit-Land für DACH und Balkanrouten. Diese Seite erklärt alle Aspekte des Imports nach und Transit durch Österreich.
Hinweis: Diese Seite ist eine Informationshilfe. Massgeblich sind die aktuellen Vorschriften des österreichischen Bundesministeriums für Finanzen (BMF) und des Unionszollkodex (UZK).
Österreich im EU-Zollraum: Grundlagen
Österreich ist vollständiges EU-Mitglied – mit einigen nationalen Besonderheiten.
EU-Zollrecht vollständig
Österreich wendet den Unionszollkodex (UZK) vollständig an. Alle EU-TARIC-Zollsätze gelten, EU-Freihandelsabkommen sind anwendbar. Zuständige Behörde: BMF (Bundesministerium für Finanzen) und die nachgeordneten Zollbehörden (Zollämter). IT-System: e-Zoll Austria.
Transit-Bedeutung
Österreich ist ein kritisches Transit-Land: (1) Schweiz → EU (via Vorarlberg/Tirol). (2) Balkan → EU (via Kärnten/Steiermark). (3) Osteuropa → Westeuropa. Täglich tausende T1/T2-Versandvorgänge über österreichische Zollstellen. Wichtige Zollstellen: Salzburg, Wien-Flughafen, Feldkirch, Spielfeld (SLO).
DACH-Besonderheiten
Im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) gibt es enge wirtschaftliche Verflechtungen. Österreich und Deutschland sind EU-Mitglieder (gleicher Zollraum), die Schweiz ist Drittland (eigener Zollraum). Für Schweizer Unternehmen: Import nach AT = Import in EU-Zollgebiet, mit entsprechendem Zollanmeldungsaufwand.
e-Zoll, EMCS, EORI & Transit – die Kernsysteme
Die vier wichtigsten Zollsysteme für Importeure und Spediteure in Österreich.
e-Zoll Austria (BMF)
e-Zoll Austria ist das offizielle IT-System für Zollanmeldungen in Österreich. Zugang über FinanzOnline (finanzonline.bmf.gv.at). Für Einfuhranmeldungen: akkreditierte Zoll-Software oder Zollagent. Kosten: keine direkten Systemgebühren. Einfuhranmeldung = Zollanmeldung H1 für Standardwaren, H7 für Low-Value-Sendungen (typisch unter €150) – seit 01.07.2026 mit EU-€3-Pauschalzoll/Tarifposition statt Freigrenze.
VIP+ & EMCS: Verbrauchsteuern
VIP+ (Verbrauchsteuer Informations-und Prüfsystem Plus): Österreichisches System für Verbrauchsteueranmeldungen (Alkohol, Tabak, Mineralöl/Energie). EMCS (Excise Movement and Control System): EU-weites System für Bewegungen verbrauchsteuerpflichtiger Waren unter Steueraussetzung (z.B. von einem Steuerlager zum anderen). In Österreich: integriert mit e-Zoll.
EORI-AT & Registrierung
EORI-AT: für EU-ansässige Unternehmen mit Firmensitz in Österreich. Beantragung: kostenlos beim BMF/zuständigem Zollamt. Nicht-EU-Unternehmen (z.B. Schweiz): keine EORI-AT möglich. Sie benötigen einen österreichischen Zollagenten als indirekten Vertreter, der mit dessen EORI die Anmeldungen einreicht.
Österreich vs. Deutschland: Hauptunterschiede
IT-System: AT e-Zoll (BMF) vs. DE ATLAS (Bundeszoll). Verbrauchsteuern: AT VIP+ vs. DE eigene Schnittstellen. Benutzerregistrierung: AT FinanzOnline vs. DE ZOLLPORTAL. Verfahrensausführung: beide UZK-konform. Hauptzollamt: AT zentral (Zollamt Österreich), DE regional (Hauptzollämter). Für multinationale Importe via DACH: i.d.R. ein Land als Haupt-Einfuhrstelle wählen.
Besonderheiten für Schweizer Unternehmen
Für DACH-Unternehmen mit Schweizer Basis besonders relevant.
Kein CH-EORI – CH-UID & ZAZ stattdessen
Die Schweiz kennt kein EORI-System – das ist ein EU-Konzept. Im Schweizer Zollsystem (Passar/e-dec) wird die CH-UID (Unternehmens-Identifikationsnummer) und die ZAZ-Kontonummer (Zollzahlstelle) verwendet. Für Einfuhranmeldungen in Österreich (EU-Zollgebiet) muss ein AT-Zollagent mit EU-EORI beauftragt werden.
Transit CH → AT: T1/T2
Waren aus der Schweiz, die in die EU (AT) importiert werden: T1-Verfahren von der CH-Grenze bis zur AT-Zollstelle. Dort: Einfuhranmeldung einreichen. Waren, die durch die Schweiz nur transit (z.B. Balkan → CH → AT): T1 für Drittlandswaren, T2 für EU-Waren unter NCTS.
Zollagent in AT
Schweizer Unternehmen, die regelmässig in AT importieren: indirekten Vertreter (österreichischen Zollagenten) beauftragen. Dieser haftet mit seiner EORI für die korrekte Anmeldung. Aufbau einer österreichischen Niederlassung: Voraussetzung für eigenen AT-EORI und direkten e-Zoll-Zugang.
FAQ
Häufige Fragen zum Zoll in Österreich.
Wie unterscheidet sich das österreichische e-Zoll-System von deutschem ATLAS?
Österreich: e-Zoll über BMF (Bundesministerium für Finanzen), Benutzermanagement über FinanzOnline. Deutschland: ATLAS über Bundeszollverwaltung. Beide UZK-konform. Verbrauchsteuern in Österreich: VIP+-System. In Deutschland: eigene IT-Schnittstellen für Energie, Tabak etc. EMCS gilt EU-weit für Steuerlagerverkehr.
Was ist EMCS und welche Waren sind betroffen?
EMCS (Excise Movement and Control System): EU-weites IT-System für Bewegungen verbrauchsteuerpflichtiger Waren (Alkohol, Tabak, Energieprodukte) unter Steueraussetzung. Waren im Zoll- oder Steuerlager bewegen sich über EMCS-Dokument (e-AD). Steuern fallen erst bei Austritt aus dem Steuerlagerregime an.
Brauchen Schweizer Unternehmen eine österreichische EORI?
Nein. Schweizer Unternehmen sind nicht EU-ansässig. Sie können keinen AT-EORI beantragen, aber eine EU-EORI in dem EU-Land, wo sie aktiv sind. Für AT-Importe: österreichischen Zollagenten (indirekter Vertreter) beauftragen.
Was ist das VIP+-System?
VIP+ (Verbrauchsteuer Informations-und Prüfsystem Plus) ist Österreichs IT-System für Verbrauchsteueranmeldungen (Alkohol, Tabak, Mineral/Energiesteuern). Über FinanzOnline zugänglich. Ergänzt das e-Zoll-System für die Abwicklung von Verbrauchsteuern.
Was ist der Unterschied zwischen T1 und T2 Transit in Österreich?
T1 (externes Versandverfahren): für Waren ohne EU-Ursprung oder ohne freien Warenverkehr. T2 (internes Versandverfahren): für EU-Waren, die durch Drittländer (z.B. Schweiz, Serbien) transportiert werden. Österreich als Transit-Land (Schweiz → EU, Balkan → EU): überwiegend T1 für Drittlandswaren, T2 für EU-Waren via Schweiz/UK.
Wie registriere ich mich im österreichischen e-Zoll-System?
Voraussetzung: EORI-Nummer (AT-EORI für EU-ansässige Unternehmen mit AT-Sitz, über BMF). FinanzOnline-Zugang: kostenlos, online beantragbar über finanzonline.bmf.gv.at. e-Zoll-Softwarezugang: über akkreditierte Softwareanbieter oder Beauftragung eines österreichischen Zollagenten.
Welche Besonderheiten gibt es für Schweizer Unternehmen beim Import nach Österreich?
Schweizer Unternehmen importieren oft über die Grenzen Vorarlberg/Tirol (Feldkirch, Bregenz, Innsbruck). Wichtig: Schweizer Unternehmen haben keine EORI – das EORI-System ist ein EU-Konzept. Im CH-Zollsystem (Passar) wird die CH-UID / ZAZ-Kontonummer verwendet. Für EU-Einfuhranmeldungen in Österreich: österreichischen Zollagenten (indirekter Vertreter mit eigener EU-EORI) beauftragen. Bei regelmässigen AT-Importen: AT-Niederlassung für eigenen EORI-AT prüfen.