An Indiens Westküste wird der Schiffsraum knapp. Exporteure melden, dass Container nicht wie geplant abgefahren werden, Buchungen verschoben werden und einzelne Schiffe Hafenanläufe auslassen. Besonders betroffen sind Mundra im Bundesstaat Gujarat und Jawaharlal Nehru Port bei Mumbai, in der Branche weiterhin meist Nhava Sheva genannt.
Die Probleme hängen eng mit den Störungen im Persischen Golf und rund um die Strasse von Hormus zusammen. Reedereien haben Dienste angepasst, Ladung umgeleitet oder Buchungen für bestimmte Golfhäfen eingeschränkt. Dadurch landen zusätzliche Transshipment-Container in indischen Häfen oder bleiben länger auf den Terminals stehen. Gleichzeitig fehlen auf verschiedenen Relationen freie Stellplätze und geeignete Leercontainer.
Zusätzlich haben Monsunregen, zeitweise unterbrochene Terminalarbeiten und Engpässe bei der Abholung per Lastwagen den Rückstau in Nhava Sheva verschärft. Das zeigt: Der Konflikt ist der Auslöser vieler Störungen, aber nicht die einzige Ursache der aktuellen Überlastung.
Für Verlader wird es vor allem teuer. Indische Exporteure berichten auf einzelnen Routen von verdoppelten oder sogar deutlich stärker gestiegenen Marktangeboten. Diese Angaben sind jedoch einzelne Offerten und keine allgemein gültigen Frachtraten.
Hinzu kommen offizielle Reederei-Zuschläge. MSC erhebt seit dem 11. Juli einen Congestion Surcharge von 500 US-Dollar pro Container für Verkehre von Nordeuropa zum indischen Subkontinent. CMA CGM hat laut Branchenmeldungen für Exporte von Indien nach Nordeuropa und ins Mittelmeer einen Peak Season Surcharge von 1’500 US-Dollar pro Container angekündigt.
Für bestimmte Golfverkehre nennt Maersk aktuell zusätzliche Emergency-Freight-Kosten von 1’800 US-Dollar für einen 20-Fuss-Container, 3’000 US-Dollar für einen 40-Fuss-Container und 3’800 US-Dollar für Kühl-, Spezial- und Gefahrgutcontainer. Bei einer Passage durch die Strasse von Hormus können weitere 1’000 US-Dollar pro Container hinzukommen.
Kritisch ist, dass neben der eigentlichen Seefracht auch Demurrage und Detention steigen. Demurrage fällt an, wenn ein Container länger als die freie Zeit im Terminal bleibt. Detention entsteht, wenn der Container ausserhalb des Terminals zu spät zurückgegeben wird.
Die indische Schifffahrtsbehörde hatte Reedereien bereits im März aufgefordert, alle Kosten transparent auszuweisen und keine überhöhten oder opportunistischen Zuschläge zu verlangen. Exporteure berichten allerdings weiterhin über kurzfristige und teilweise schwer nachvollziehbare Belastungen.
