Der Rohölpreis ist im September 2026 wieder über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen. Gleichzeitig lagen Bunkertreibstoff für Schiffe und Kerosin für Flugzeuge laut Freightos rund 60 Prozent über dem Niveau vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten.
Für Verlader bedeutet das nicht, dass jede Frachtrechnung sofort um 60 Prozent steigt. Treibstoff ist nur ein Teil der Transportkosten. Zudem nutzen Carrier und Speditionen unterschiedliche Zuschlagsmodelle. In der Seefracht ist der BAF, der Bunker Adjustment Factor, verbreitet. In der Luftfracht gibt es Kerosin- oder Fuel Surcharges, im Strassentransport meist Dieselzuschläge.
Diese Zuschläge werden häufig monatlich oder quartalsweise angepasst. Grundlage kann ein bestimmter Diesel-, Kerosin- oder Bunkerindex sein. Manche Verträge enthalten einen Freibereich, andere verändern sich schon bei kleinen Preissprüngen. Der Tagespreis von Brent-Rohöl lässt sich deshalb nicht eins zu eins auf die nächste Rechnung übertragen.
Zusätzlich spielt die Route eine Rolle. Der lange Weg um das Kap der Guten Hoffnung verbraucht mehr Treibstoff als die Passage durch Suez. Hohe Ölpreise erhöhen damit den wirtschaftlichen Druck, wieder kürzere Routen zu nutzen, obwohl dort Sicherheitsrisiken bestehen.
Für Schweizer Importe kommen oft mehrere Stufen zusammen: Seefrachtzuschlag, Vor- oder Nachlauf per Lkw und möglicherweise Luftfracht für dringende Fehlmengen. Wer nur den Hauptlauf betrachtet, unterschätzt den gesamten Effekt.
