UK = Drittland seit 1.1.2021TCA: 0 % Zoll mit UrsprungsnachweisCDS ersetzt CHIEF vollständig
Seit dem Brexit am 1. Januar 2021 ist Grossbritannien ein Drittland. Importe aus UK unterliegen dem EU-Zollrecht – mit dem UK Global Tariff, dem CDS-System, Postponed VAT Accounting und den EU-UK TCA Ursprungsregeln. Alles Wichtige auf einer Seite.
Hinweis: Diese Seite ist eine Informationshilfe. Massgeblich sind die aktuellen Vorschriften der UK-Zollbehörde HMRC und der EU-Kommission.
UK als Drittland: Was hat sich seit 2021 geändert?
Der Brexit hat die Handelsverhältnisse zwischen EU und UK grundlegend verändert.
Zollpflicht für alle Waren
Seit 1.1.2021 müssen alle Waren beim Grenzübertritt zwischen EU und UK zollamtlich angemeldet werden. Es gibt keine zollfreie Freizone mehr. Zollanmeldungen sind für Export (EU-seitig: AES/ATLAS) und Import (UK-seitig: CDS) erforderlich.
Nordirland: Sonderstatus
Nordirland bleibt gemäss Windsor Framework (2023) de facto im EU-Binnenmarkt für Waren, während es zum UK-Zollgebiet gehört. Für Waren, die aus GB (England, Schottland, Wales) nach Nordirland gelangen, gibt es vereinfachte "Green Lane" / "Red Lane" Verfahren, je nachdem ob die Ware für Nordirland verbleibt oder in die EU geht.
EU-UK Trade and Cooperation Agreement
Das EU-UK TCA (abgeschlossen 24. Dezember 2020) sieht 0% Zollsätze für Waren mit nachgewiesenem EU- oder UK-Ursprung vor. Trotzdem fallen Bürokratiekosten an (Zollanmeldungen, Ursprungsnachweise). Ohne Ursprungsnachweis gelten die normalen UK Global Tariff-Sätze.
UK Global Tariff (UKGT) – Britische Zollsätze verstehen
Das britische Pendant zum EU-TARIC – mit einigen Unterschieden.
Aufbau: UK Commodity Codes
Der UKGT basiert auf dem globalen HS-System (6 Stellen), wird auf 10-stellige UK Commodity Codes erweitert. Suche und Nachschlagmöglichkeit: trade.gov.uk/tariffs-taxes. Für Importe nach UK benötigt: 10-stelliger Commodity Code; für Exporte aus UK: 8-stelliger Code.
Typische Zollsätze
Zollsätze liegen je nach Warengruppe zwischen 0 % und über 20 %. Beispiele: Textilien 12 %, Schuhe 4–10 %, Fahrzeuge 6,5 %, Lebensmittel oft 0–4 % (teilweise reduziert vs. EU). Für Waren mit EU-Ursprung (TCA): 0 % mit Nachweis. Anti-Dumping-Zölle möglich (ähnlich EU).
Besonderheiten vs. EU-TARIC
Der UKGT hat einige Unterschiede zum EU-TARIC: UK hat einige Sätze abgesenkt (z.B. Lebensmittel, Industrie-Inputs). UK hat eigene Safeguard-Massnahmen (z.B. auf Stahl). EU-Freihandelsabkommen (z.B. mit Japan, Kanada) gelten für UK nicht mehr – UK hat eigene FTAs verhandelt.
Sonderfall: Warenursprung & Präferenzen
Wenn Waren UK-Ursprung haben und die UK Ursprungsregeln erfüllen, profitieren sie von 0 % beim Export in die EU (TCA). Umgekehrt profitieren EU-Ursprungswaren von 0 % beim Import nach UK. Wichtig: Der Ursprung muss nachgewiesen werden – entweder per Erklärung auf der Rechnung oder per REX/Exporteur-Erklärung.
CDS – Customs Declaration Service (Nachfolger von CHIEF)
Das neue britische IT-System für alle Zollanmeldungen – vollständig migriert.
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Was ist CDS?
CDS (Customs Declaration Service) ist das zentrale IT-System von HMRC (His Majesty's Revenue and Customs) für Ein- und Ausfuhrzollanmeldungen in Grossbritannien. Es hat das ältere CHIEF-System vollständig ersetzt. CDS verarbeitet alle Handelstypen: standard Import/Export, vereinfachte Verfahren, Transit, Zolllager und Sonderverfahren.
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Registrierung & Zugang
Für CDS benötigt: (1) UK-EORI-Nummer (kostenlos bei HMRC beantragen), (2) Government-Gateway-Konto (verknüpft mit Unternehmen), (3) Registrierung bei HMRC/CDS. CDS-Software (Drittanbieter) oder Beauftragung eines CDS-akkreditierten Zollspediteurs. Die Migration von CHIEF zu CDS war nicht automatisch – Unternehmen mussten aktiv wechseln.
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Verwendung eines Zollagenten
Wer keinen direkten CDS-Zugang hat, kann einen UK-Zollspediteur (Customs Broker) beauftragen. Dieser muss CDS-autorisiert sein und in der Lage, Anmeldungen im Auftrag des Importeurs einzureichen. Der Importeur muss den Agenten explizit in CDS autorisieren. Für gelegentliche Importe nach UK ist dies der effizienteste Weg.
Postponed VAT Accounting (PVA) – Cashflow-Vorteil für Importeure
Kein sofortiger MwSt.-Vorauszahlungszwang beim Import – ein wichtiger Vorteil für UK-Importeure.
Wie PVA funktioniert
Unternehmen mit UK-VAT-Nummer können die Einfuhrumsatzsteuer (Import VAT) auf ihrer nächsten Umsatzsteuererklärung (VAT Return) als Eingangssteuer ausweisen und direkt abziehen. Keine sofortige Barzahlung beim Zoll. Die MwSt. wird "aufgeschoben" bis zur nächsten Quartals-/Monatserklärung.
Wer kann PVA nutzen?
PVA steht allen UK-MwSt.-registrierten Unternehmen automatisch zur Verfügung. Kein gesonderter Antrag nötig. Für die CDS-Anmeldung muss der Zollcode "G" für Postponed VAT Accounting verwendet werden. Nicht UK-MwSt.-registrierte Importeure (z.B. ausländische Unternehmen ohne UK-MwSt.) können PVA nicht nutzen.
Alternative: Duty Deferment Account
Für Zollabgaben (nicht MwSt.) gibt es das Duty Deferment Account (DDA): Importeure zahlen Zollabgaben monatlich statt einzeln pro Sendung. Voraussetzung: HMRC-Genehmigung und Bankbürgschaft oder Bargarnatie. Kombiniert mit PVA kann der gesamte Abgabenfluss optimiert werden.
EORI-UK, TCA-Ursprungsregeln & £135-Schwelle
Drei weitere wichtige Aspekte für den Handel mit Grossbritannien.
EORI-UK vs. EU-EORI
EU-EORI (Format: DE..., CH..., etc.) gilt nur für EU-Zollanmeldungen. UK-EORI (Format: GB + 12 Stellen) gilt nur für UK-Zollanmeldungen. Wer regelmässig in die UK importiert oder aus UK exportiert, sollte beide haben. UK-EORI kostenlos bei HMRC beantragen: gov.uk/eori. EU-EORI beim jeweiligen nationalen Zollamt.
EU-UK TCA: 0 % Zoll mit Nachweis
TCA-Ursprungsnachweis: (1) Erklärung auf Rechnung (bis 6.000 GBP): "The exporter of the products covered by this document declares that, except where otherwise clearly indicated, these products are of [EU/UK] preferential origin." (2) REX-Erklärung für über 6.000 GBP. Ohne Nachweis: normale UKGT-/EU-Zollsätze.
£135-Schwelle & Ausblick 2029
Derzeit: Sendungen unter £135 aus Nicht-UK-Ländern – Plattformen erheben MwSt. direkt beim Kauf (Low Value Import Relief). Sendungen über £135: vollständige CDS-Anmeldung. Geplant bis März 2029: Abschaffung der £135-Grenze; dann vollständige Zollanmeldung für alle Sendungen erforderlich. Früher als ursprünglich geplant (2028).
FAQ
Häufige Fragen zum Zoll und Handel mit Grossbritannien nach dem Brexit.
Gilt Grossbritannien nach dem Brexit als Drittland?
Ja. Seit 1. Januar 2021 ist Grossbritannien (England, Schottland, Wales) ein Drittland ausserhalb des EU-Zollgebiets. Nordirland behält durch das Windsor Framework einen Sonderstatus im EU-Binnenmarkt für Waren. Für Importe aus GB gelten EU-Zollregeln wie für Waren aus China oder den USA.
Was ist der UK Global Tariff (UKGT)?
Der UK Global Tariff ist das britische Pendant zum EU-TARIC. Er definiert Zollsätze für alle in die UK eingeführten Waren. Die Sätze basieren auf dem HS-Warennomenklatursystem (6 Stellen), erweitert auf 10-stellige Commodity Codes. Die Sätze sind teilweise niedriger als im EU-TARIC. Suche unter: trade.gov.uk/tariffs-taxes.
Was ist das Customs Declaration Service (CDS) System?
CDS (Customs Declaration Service) ist das neue IT-System der UK-Zollbehörde HMRC für Ein- und Ausfuhranmeldungen, das das ältere CHIEF-System vollständig ersetzt hat. Importeure und Exporteure reichen über CDS elektronische Zollanmeldungen ein. Voraussetzung: EORI-UK-Nummer, Government-Gateway-Konto und CDS-Registrierung bei HMRC.
Was ist Postponed VAT Accounting (PVA) und wie hilft es Importeuren?
PVA (Postponed VAT Accounting) erlaubt britischen Unternehmen mit UK-VAT-Nummer, die Einfuhrumsatzsteuer auf ihrer nächsten Umsatzsteuererklärung auszuweisen, anstatt sie sofort bei der Einfuhr zu bezahlen. Dies verbessert den Cashflow erheblich, da keine sofortige Vorauszahlung beim Zoll nötig ist. PVA ist für alle Importe nach GB verfügbar.
Müssen EU-Exporteure eine UK-EORI-Nummer haben?
Nein, EU-Exporteure brauchen keine UK-EORI-Nummer. Sie benötigen jedoch eine EU-EORI-Nummer für die EU-seitige Ausfuhranmeldung. Der britische Importeur braucht eine UK-EORI-Nummer für die CDS-Anmeldung. Wenn EU-Unternehmen direkt in UK importieren (z.B. als Eigentümer), brauchen sie auch eine UK-EORI.
Wie profitieren EU-Exporteure nach UK vom 0%-Zoll unter dem EU-UK TCA?
Das EU-UK Trade and Cooperation Agreement (TCA) sieht 0 % Zoll für Waren mit nachgewiesenem EU- oder UK-Ursprung vor. Der Ursprung muss durch eine Ursprungserklärung auf der Rechnung (bis 6.000 GBP) oder über das REX-System (über 6.000 GBP, REX-Registrierung erforderlich) nachgewiesen werden. Ohne Ursprungsnachweis gelten normale UKGT-Sätze.
Was ändert sich für die £135-Schwelle bis 2029?
Die UK plant die Abschaffung der £135-Einfuhrschwelle für die vereinfachte Mehrwertsteuererhebung bis März 2029. Derzeit können Plattformen bei Sendungen unter £135 direkt MwSt. beim Kauf erheben (Low Value Import Relief). Nach Abschaffung werden für alle Sendungen vollständige Zollanmeldungen und standard Import-MwSt.-Verfahren gelten.