EU Ursprungsregeln & Präferenzzölle: REX, EUR.1 & GSP 2026
0 % Zoll mit UrsprungsnachweisREX – Selbst-ZertifizierungGSP 2024–2034 aktuell
EU-Ursprungsregeln entscheiden, ob Importeure von Präferenzzöllen (0 %) in Freihandelsabkommen wie EU-UK TCA, CETA oder GSP profitieren. Das REX-System ermöglicht Exporteuren, selbst Ursprungserklärungen auszustellen. Diese Seite erklärt präferentiellen Ursprung, REX, EUR.1, GSP und Kumulierungsregeln.
Hinweis: Diese Seite ist eine Informationshilfe. Massgeblich sind die jeweiligen FTA-Texte und die aktuellen EU-Ursprungsvorschriften.
Ursprungsregeln: Warum entscheiden sie über Milliarden?
Der Ursprung einer Ware bestimmt, ob Präferenzzölle anwendbar sind.
Was ist Warenursprung?
Der Warenursprung ist das "wirtschaftliche Staatsangehörigkeitsprinzip" für Waren. Er bestimmt, welches Land einer Ware als Herkunftsland zugeordnet wird. Bei Waren, die vollständig in einem Land hergestellt wurden, ist der Ursprung eindeutig (z.B. Weizen aus Frankreich = FR-Ursprung). Bei Be- und Verarbeitungsvorgängen greifen die Ursprungsregeln.
Präferentiell vs. nicht-präferentiell
Nicht-präferentiell: für Antidumping-Massnahmen, Quoten, Statistiken, Ursprungsbezeichnungen ("Made in EU"). Präferentiell: für Freihandelsabkommen (0 % oder reduzierte Zölle). Muss aktiv durch Nachweis geltend gemacht werden. EU hat ca. 40 FTAs mit präferentiellen Regeln (CETA, EPA, GSP, TCA etc.).
Wirtschaftliche Bedeutung
EU-Importe mit Ursprungsnachweis: ~40 % aller dutiable EU-Importe nutzen Präferenzzölle. Jährliche Einsparungen durch Präferenzen: geschätzt €8–15 Milliarden EU-weit. Wichtigste FTAs: GSP (118 Entwicklungsländer), EU-UK TCA, CETA, EPA Afrika.
REX, EUR.1, GSP & Kumulierung
Die vier Kernkonzepte des EU-Ursprungssystems.
REX-System
REX (Registered Exporter): EU-Exporteure registrieren sich kostenlos beim nationalen Zollamt und erhalten eine REX-Nummer. Damit können sie selbst Ursprungserklärungen auf der Rechnung für alle Sendungen über €6.000 ausstellen. Für Sendungen unter €6.000: keine REX-Nummer nötig, Erklärung direkt auf Rechnung. REX ersetzt schrittweise EUR.1 für Exporte in GSP-Länder und viele FTA-Partner.
EUR.1 – Warenverkehrsbescheinigung
EUR.1 ist das traditionelle amtliche Ursprungsnachweisformular. Ausgestellt: vom Exporteur ausgefüllt, vom Zollamt gestempelt/bestätigt. Gilt für alle FTAs die EUR.1 akzeptieren (z.B. EU-Mediterrane Abkommen, EU-Schweiz). Nachteil: Zeitaufwand durch Zollbehörde. Gilt unbegrenzt für Sendungsgrösse. Ersatz: REX für GSP und TCA; ATR für Türkei; EUR-MED für mediterrane FTAs mit Diagonal-Kumulierung.
GSP – Allgemeines Präferenzsystem
GSP ermöglicht Entwicklungsländern (118 Länder), ihre Waren zollreduziert oder zollfrei in die EU zu exportieren. EU-GSP 2024–2034: Standard-GSP (reduzierte Sätze), GSP+ (0 % für besonders gefährdete Länder mit Nachhaltigkeitsauflagen), EBA (Everything But Arms – 0 % für ärmste Länder). Wichtige Handelspartner: Indien, Vietnam, Bangladesh, Pakistan. China: seit 2015 kein GSP mehr (zu entwickelt).
Kumulierungsregeln
Kumulierung ermöglicht, Vor-Erzeugnisse aus bestimmten Ländern als "heimische" Materialien zu zählen: Bilaterale Kumulierung: nur zwischen den FTA-Parteien (z.B. EU und UK). Diagonale Kumulierung: EU + EWR + Schweiz + Türkei + Westbalkan (Pan-Euro-Med Zone). Vollständige Kumulierung: alle Verarbeitungsvorgänge in allen Partnerländern zählen. Praxis: Ein Textilprodukt aus japanischer Faser, verarbeitet in Bangladesch, kann als BD-GSP-Ursprung gelten (EBA).
FAQ
Häufige Fragen zu EU-Ursprungsregeln und Präferenzzöllen.
Was ist der Unterschied zwischen präferentiellem und nicht-präferentiellem Ursprung?
Nicht-präferentiell: bestimmt nur das Herkunftsland (für Antidumping, Statistiken). Präferentiell: berechtigt zu ermässigten/0%-Zollsätzen im Rahmen von FTA (z.B. EU-UK TCA, CETA, GSP). Nachweis: EUR.1, REX-Erklärung oder Ursprungserklärung auf Rechnung.
Was ist das REX-System?
REX (Registered Exporter System): EU-Exporteure können sich kostenlos beim Zollamt registrieren und dann selbst Ursprungserklärungen auf der Rechnung ausstellen (für Sendungen über €6.000). Unter €6.000: kein REX nötig, Erklärung direkt auf Rechnung.
Was ist eine EUR.1-Warenverkehrsbescheinigung?
EUR.1 ist ein amtliches Formular (vom Zollamt bestätigt), das den EU-Ursprung von Waren für den Export in FTA-Partnerländer belegt. Gültig für alle Sendungsgrössen. Wird vom Exporteur ausgefüllt und vom nationalen Zollamt stempelbestätigt. Nachteil: zeitaufwändig. Heute meistens durch REX-Erklärung ersetzt.
Was sind Kumulierungsregeln?
Kumulierung ermöglicht, Vormaterialien aus bestimmten Ländern als "inländisch" zu behandeln, wenn sie in der EU weiterverarbeitet werden. Bilaterale Kumulierung: nur zwischen den FTA-Partnern. Diagonale Kumulierung: z.B. im pan-europäischen Kumulierungssystem (EU, EWR, Schweiz, Türkei, Westbalkan). Vollständige Kumulierung: alle Verarbeitungen zählen.
Was ändert sich beim GSP 2026?
GSP 2024–2034: Nachhaltigkeitsanforderungen stärker verknüpft. China hat seit 2015 keinen GSP-Status mehr. GSP+ für vulnerable Entwicklungsländer mit erweiterten Präferenzen. Kumulierungsregeln zwischen GSP-Ländern flexibilisiert. ASEAN-Region: einige Länder erhöhen Anteil.
Wie bestimme ich den Ursprung einer Ware?
1. Vollständig gewonnen/erzeugt: eindeutig (z.B. Rohstoffe). 2. Ausreichend be-/verarbeitet: Tarif-Position-Wechsel (HS-Code ändert sich) oder Wertschöpfungskriterium (mindestens 40–60 % Wertschöpfung im Land). 3. Produktspezifische Regeln (PSR): jedes FTA enthält spezifische Regeln pro Warengruppe. Werkzeug: EU-Webseite "Rules of Origin Facilitator".
Was sind praktische Beispiele für EU-UK TCA und CETA?
EU-UK TCA: Maschinen mit 40 % EU-Wertschöpfung und Änderung auf HS-Code-Ebene = EU-Ursprung, 0 % Zoll in UK. CETA (EU-Kanada): Textilien mit 50 % EU-Rohstoffen und doppelter Umwandlung = EU-Ursprung, reduzierter Zoll. Beide erfordern REX oder EUR.1 als Nachweis.